Sandstern

Länge:
88 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
29.11.2018
Regie:
Yilmaz Arslan
Darsteller:
Roland Kagan Sommer (Oktay), Taies Farzan (Fatma), Hilmi Sözer /Sabri), Katharina Thalbach (Anna), Marcus Eim (Thomas), Marion Bott (Luba) u. a.
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, Luxemburg, Belgien, 2017

Aufgewachsen bei seiner geliebten Großmutter in der südtürkischen Hafenstadt İskenderun muss der zwölfjährige Oktay im Sommer 1980 zu seinen Eltern in die westdeutsche Provinz ziehen. Seine aufgedrehte Mutter Fatma und seinen Vater Sabri, der bei Telefunken arbeitet, kennt er kaum. Während Fatma über Oktays altmodische Kleidung entsetzt ist, muss sich der Junge daran gewöhnen, dass sein Vater in der Familie nicht viel zu sagen hat und die Mutter zu Hause wilde Partys mit amerikanischen GIs feiert und diese dabei mit Drogen versorgt. Damit nicht genug, wird Oktay in die erste Klasse eingeschult, weil er – wie der Direktor meint – zuallererst Deutsch lernen muss. Und dann wird nach einer Prügelei mit zwei Jungen aus der Schule bei ihm eine seltene Blutkrankheit festgestellt, die erfordert, dass sich Oktay aller zwei Tage spritzt. In dieser Situation findet der Junge Trost und Zuflucht bei der 75-jährigen Nachbarin Anna. Sie selbst musste ihre Heimatstadt Memel (heute: Klaipėda in Litauen) als junge Frau verlassen und hat dabei ihren Mann und ihre beiden Töchter verloren. Sie weiß, wie sich Oktay fühlt, und kümmert sich liebevoll um das Gastarbeiterkind. Das Leben scheint so langsam in annehmbare Bahnen zu kommen: Oktay verliebt sich das erste Mal, besucht nun die sechste Klasse und hat bei Anna ein wohliges Nest gefunden. Doch dann trennen sich die Eltern, Oktay muss bei Fatma bleiben, die sich als „Verkäuferin von Träumen“ selbständig macht und kurze Zeit später verhaftet wird. Als dann auch noch Anna stirbt, wird er wegen seiner Krankheit in ein Heim für Kinder mit Behinderung eingewiesen. Wieder beginnt ein Neuanfang für Oktay, der ihn schon bald erwachsen werden lässt.

Der 2005 für seinen Film „Brudermord – Fratricide“ mit dem Silbernen Leoparden beim Internationalen Filmfestival in Locarno ausgezeichnete kurdische Regisseur und Drehbuchautor Yilmaz Arslan legt nun nach einer längeren Regie-Pause seinen neuen Spielfilm vor. Selbst als Siebenjähriger nach Deutschland gekommen, verarbeitet er hier sicher eigene Erfahrungen und Begegnungen, ohne direkt seine Kindheit zu verfilmen. Für „Sandstern“ findet Yilmaz Arslan einen warmherzigen, spaßig-ironischen, aber auch recht melancholischen Grundton, der die Stimmung in der BRD der 1980er Jahre gut trifft. Seinen Helden lässt er eine Reihe von Außenseitern begegnen, die ihn mit den verschiedensten Facetten des Lebens vertraut machen und ihn erwachsen werden lassen. Neben Anna mit ihren Lebensweisheiten ist es sicher auch der schwerkranke Thomas oder die querschnittsgelähmte, ehemalige Schwimmerin Luba, die Oktay Kraft geben und die wiederum durch den vereinsamten Jungen Zuneigung und Hinwendung erfahren. Insofern ist Yilmaz Arslan mit „Sandstern“ ein anrührendes, wenn auch manchmal zu überladenes Coming-of-Age-Drama gelungen, das zugleich von den Schwierigkeiten erzählt, als „Fremder“ in Deutschland eine Heimat zu finden.

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