Raus

Länge:
101 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
17.01.2019
Regie:
Philipp Hirsch
Darsteller:
Matti Schmidt-Schaller, Tom Gronau, Milena Tscharntke, Matilda Merkel, Enno Trebs
Genre:
Jugend , Drama
Land:
Deutschland, 2018

Glocke geht es wie vielen Jugendlichen, er findet, dass heute gewaltig was schief läuft in unserer Gesellschaft. Weil die Falschen am Drücker sind und weil sie die falschen Prioritäten setzen. Glocke will etwas tun, Zeichen setzen, aufmerksam machen. Da ist er einig mit Lena, der jungen Aktivistin, von der Glocke gern mehr will als gedanklichen Einklang. Doch als eine Aktion gegen den protzigen Schlitten eines Puffkönigs gewaltig schief läuft und plötzlich Bilder davon im Netz auftauchen, wird es brenzlig für Glocke. Da gibt’s nur eine Lösung: raus aus dem ganzen Schlamassel und zwar konsequent. Im Internet stößt Glocke auf Friedrich – einen älteren Aussteiger, der sich in die Abgeschiedenheit der Natur zurückgezogen hat und in aller Bescheidenheit von und mit der Natur lebt – ohne Kapitalismus, ohne Ausbeutung, ohne Ungerechtigkeit, ohne Tierversuche, ohne Umweltzerstörung, ohne Klimakatastrophe … Wer sich ihm und seiner Lebensweise anschließen möchte, sei willkommen, wenn er den Weg findet. Glocke bleibt nicht allein. Es findet sich eine Handvoll Gleichgesinnter am Treffpunkt ein, die gemeinsam aufbrechen. Steffi, Paule, Elias und Judith sind ebenfalls auf der Suche nach einer anderen Lebensweise. Die Suche nach Friedrichs Rückzugsort ist langwierig und wie eine Schnitzeljagd angelegt, die Gruppe wird von Etappe zu Etappe geleitet. Die Gegend wird einsamer, die Versorgungslage schwieriger, sie sammeln Beeren, fangen Fische. Dann der Eklat. Glocke findet in Elias‘ Rucksack eindeutige Hinweise, dass Friedrich ein von Elias erdachter Fake ist. Sie sind einem Phantom, einer Chimäre nachgelaufen. Glocke weiht die Gruppe ein und Elias wird von einem Bienenschwarm grausam bestraft.

Glockes Situation, seine Erlebnisse und seine Erfahrungen spiegeln in Philipp Hirschs sehenswertem Kinodebüt die Situation vieler Jugendlicher heute wieder. Die etablierten Parteien und ihre saturierten Vertreter denken und entscheiden kurzfristig und haben zumeist den Blick und die Verantwortung für das große Ganze schon verloren. Da stellt sich die Frage, was der Einzelne tun kann, um mit sich und seinen Überzeugungen im Reinen zu bleiben. Die fünf Jugendlichen im Film versuchen, aus der Gesellschaft auszusteigen, einen neuen Weg im Einklang mit der Natur zu finden. Dass das auch mit Verzicht verbunden ist – auf liebgewonnene Menschen, auf Gewohnheiten, auf Bequemlichkeit, auf Sicherheit – wird schnell klar. Dass aber auch auf ihrem neuen Weg vieles in Wahrheit nicht so ist, wie es scheint und dass sie auch hier getäuscht werden, ist zunächst eine bittere Erkenntnis. Trotzdem bleibt die Erfahrung, den Weg aus eigener Kraft geschafft zu haben und vielleicht war der Weg ja schon das Ziel. Das offene Ende des Films lässt viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen.

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