Ragnarök

Serienstart:
27.05.2021
Staffel:
2
Folgen:
6
Länge der Folgen:
47-55 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Regie:
Mogens Hagedorn, Mads Kamp Thulstrup
Darsteller:
David Stakston (Magne), Jonas Strand Gravli (Laurits), Gísli Örn Garðarsson (Vidar Jutul), Synnøve Macody Lund (Ran Jutul), Herman Tømmeraas (Fjor Jutul) u. a.
Genre:
Fantasy , Drama
Land:
Norwegen, Dänemark , 2021

Dass man klassische Sagen und Legenden auf anregende Weise in die Gegenwart überführen kann, demonstriert die 2020 gestartete norwegisch-dänische Netflix-Produktion „Ragnarök“. Auch wenn es an manchen Stellen ordentlich holpert und ruckelt, bietet die von Adam Price erdachte, mit nordischen Mythen jonglierende Serie eine zumindest halbwegs erfrischende Variation des allgegenwärtigen Superheld*innen-Treibens. Nach dem enormen Erfolg der ersten Staffel hat sich der Streaming-Dienst nicht zwei Mal bitten lassen und eine weitere Runde in Auftrag gegeben, die seit Ende Mai 2021 bei Netflix zu sehen ist.


Worum es in der zweiten Staffel der Serie „Ragnarök“ geht:


Der Kampf zwischen dem einstigen Außenseiter Magne, der sich zu einer Reinkarnation des Donnergottes Thor gewandelt hat, und dem Großindustriellen Vidar Jutul, hinter dessen menschlicher Fassade ein steinalter und böser Riese steckt, endet ohne einen Sieger. Um den dunklen Mächten aus dem Hause Jutul Einhalt gebieten zu können, muss Magne, wie er von einer weisen Helferin erfährt, nach Verbündeten mit individuellen Superkräften suchen und benötigt eine besondere Waffe. Wie er das anstellen soll, ist dem Teenager zunächst schleierhaft. Ganz unverhofft tun sich jedoch erste Hoffnungsschimmer auf. Vidar und seine nicht minder gefährliche Ehefrau Ran wollen derweil die Vernichtung Magnes vorbereiten, stehen aber plötzlich vor zwei kniffligen Problemen. Nicht nur wendet sich ihr Sohn Fjor von der Familie und seiner Aufgabe als Riese ab, um mit seiner Freundin Gry zusammen zu sein. Die Firma der Jutuls gerät zudem wegen des Umweltskandals immer mehr in die Schusslinie. Tochter Saxa sieht in dieser Lage die Chance gekommen, mit Traditionen zu brechen und ihre persönliche Position zu stärken. Während Magne bemüht ist, seiner Bestimmung zu folgen, sorgt er sich zunehmend um seinen Bruder Laurits, der mit seiner Identität ringt. Die neue Perspektive, die sich dem genderfluiden Jugendlichen eines Tages eröffnet, könnte ihn auf die finstere Seite ziehen.


Warum der Funke in Staffel 2 nicht richtig überspringen will:


Die zweite Staffel von „Ragnarök“ spitzt bestehende Konflikte zu, bringt neue Charakterentwicklungen auf den Weg und kommt mit einigen drastischen Enthüllungen um die Ecke. Das Ganze fühlt sich aber dennoch manchmal so an, als würde hier eine stellenweise auserzählte Geschichte mit aller Macht zu etwas Größerem aufgeblasen. Vielleicht hängt dieser Eindruck auch bloß damit zusammen, dass die Macher*innen ihren Protagonist*innen und ihrer Handlung häufig den epischen Atem durch eine soapige Herangehensweise rauben. Potenziell aufregende und -wühlende Einfälle sind zweifellos vorhanden. Unter die Oberfläche dringt die in der fiktiven Kleinstadt Edda vor einer wuchtigen Fjordlandschaft spielende Serie allerdings viel zu selten vor. Exemplarisch ist der Figurenbogen von Laurits, dessen innere Zerrissenheit eher mit grobem Werkzeug herausgearbeitet wird. Das Verhältnis zu Magne schwankt permanent, ohne dass daraus besonders eindringliche emotionale Momente resultieren würden. Halbherzig erscheinen auch die Fridays-for-Future-Einwürfe und der ökologische Aspekt, der schon in Durchgang eins etwas mehr Raum hätte bekommen dürfen. „Ragnarök“ ist von einem Totalausfall ein ganzes Stück entfernt. Die Netflix-Produktion bleibt letztlich jedoch spürbar unter ihren Möglichkeiten und muss bei einer erneuten Fortsetzung beweisen, dass das Versprechen des bewusst offen gehaltenen, Unheil verkündigenden Staffelendes mit mehr Tiefe gefüllt werden kann. So reichhaltig und spannend die nordische Mythologie auch sein mag – die Lust an Ausflüge nach Edda wäre andernfalls dahin.

Christopher Diekhaus

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (21. Woche 2021).