Prélude

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
95 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
29.08.2019
Regie:
Sabrina Sarabi
Darsteller:
Louis Hofmann (David), Ursina Lardi (Prof. Matussek), Liv Lisa Fries (Marie), Johannes Nussbaum (Walter), Arno Frisch (Prof. Thibault), Saskia Rosendahl (Stella) u.a.
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, 2019

David träumt davon, als Konzertpianist die großen Bühnen der Welt zu erobern. Diesem Wunsch scheint er mit der Aufnahme ins Musikkonservatorium einen riesigen Schritt näher gekommen zu sein. Die Übungsräume wirken auf ihn kalt und einschüchternd und auch seine Professorin, Frau Matussek, agiert äußerst distanziert und kritisch. Als David von der Möglichkeit eines Stipendiums für die berühmte Juilliard School in New York erfährt, will er unbedingt dorthin delegiert werden. Im Klartext heißt dies, dass er Professorin Matussek von seinem musikalischen Können überzeugen muss. Doch der Weg dorthin ist steinig und hart. Nicht nur, dass Professor Thibault ihn bei einem Vorspiel öffentlich auf eine gemeine Art vorführt und erniedrigt, auch sein Kommilitone Walter, dem er gerade Freundin Maria ausgespannt hat, ist ein nicht zu unterschätzender Konkurrent. David vermag sich kaum dem enormen Druck zu entziehen. Acht Stunden täglich sitzt er am Klavier, spielt, bis die Finger verkrampfen und unsäglich schmerzen. Die Beziehung zu Maria ist schon lange zerbrochen. Dann fällt die Entscheidung. Frau Matussek schlägt ihn für das Stipendium vor. David hat sein Ziel erreicht. In drei Wochen geht es los. Bis dahin soll das Übungspensum hochgeschraubt werden. Auf einer Party eines Kommilitonen stürzt David heftig ab. Er geht nicht mehr ins Konservatorium, übt nicht mehr. Immer tiefer gerät er in den Widerstreit zwischen Selbstzweifel und Besessenheit, der schließlich in Depressionen mündet. Seine Professorin revidiert ihre Entscheidung, schickt ihn nach Hause. Zum Ausruhen. Im nächsten Semester würden sie weitersehen. Seine Mutter lässt David in dem Glauben, auf dem Weg zu einem Starpianist zu sein, verspricht, mit ihr noch ein paar Tage zu verreisen. Wohl wissend, dass es zu dieser Reise nicht mehr kommen wird.

Am Beispiel eines hochbegabten Musikstudenten untersucht die deutsch-ungarisch-iranische Drehbuchautorin und Regisseurin Sabrina Sarabi in ihrem Spielfilmdebüt die Folgen eines gnadenlosen Drucks, der in unserer Leistungsgesellschaft in vielen Bereichen vorherrscht. Dialogarm und eher auf Bilder, Töne und Gesten vertrauend zeichnet die Filmemacherin ein intensives Bild eines jungen Mannes, der von Ehrgeiz, einem eigenen hohen künstlerischen Anspruch, aber auch von Selbstzweifeln, von dem Druck seitens der Mutter, der Hochschule, seiner Kommilitonen zerrissen ist. Die Folge sind Vereinsamung, Depressionen und Aggressionen gegen sich selbst sowie gegen andere, die schließlich in Selbstdestruktion münden. Wie sich dieser Druck „anfühlt“, zeigen die kalten, riesigen und dunklen Räume im Konservatorium, macht das ausgezeichnete Sounddesign mit dem sich wiederholenden Klacken eines Tischtennisballs, dem Tropfen eines Wasserhahns oder dem Ticken eines Metronoms hörbar und wird durch die mitunter ziemlich verletzenden Interaktionen zwischen den verschiedenen Hauptfiguren deutlich. Doch bei aller Intensität dieser Erstlingsarbeit kann sie eine gewisse emotionale Distanz zum Publikum nicht überwinden.

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