Platzspitzbaby

Länge:
100 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
10.06.2021
Regie:
Pierre Monnard
Darsteller:
Luna Mwezi (Mia), Sarah Spale (Sandrine), Jerry Hoffmann (André), Delio Malär (Buddy), Anouk Petri (Lola), Emilio Marchisella (Kieran)
Genre:
Drama
Land:
Schweiz, 2020

Zürich, 1995: Mit entschlossenem Gesicht, den Walkman mit Musik der Beach Boys auf den Ohren, stapft die elfjährige Mia durch den überfüllten Platzspitz-Park, sieht, wie sich ihre Mutter Sandrine und ihr Vater streiten. Menschen liegen hier teils bewegungslos auf dem Boden, denn der Park ist Anziehungspunkt der Drogenszene, die sich hier frei bewegen kann. In diesem Jahr wird beschlossen, die offene Szene aufzulösen, die Süchtigen in ihre Heimatgemeinden zurückzuschicken. Damit wird allerdings das Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben, denn die Sozialarbeiter:innen vor Ort sind nicht immer geübt im Umgang mit ihren Klient:innen. Sandrine bekommt mit Mia eine Wohnung in einer Kleinstadt im Zürcher Oberland zugewiesen. Sie hat einen Entzug hinter sich. Stolz markiert Mia die durchgehaltenen Tage mit Magnetzahlen an der Kühlschranktür. In der neuen Schule Anschluss zu finden, ist nicht leicht für Mia. Die beliebten Mädchen der Klasse sticheln über das „Drogenkind“. Ernsthaft schwierig wird es für Mia aber, als ihre Mutter alte Bekannte aus der Szene trifft und wieder rückfällig wird. Immer verzweifelter hält das Mädchen daran fest, dass noch alles gut werden kann, verweigert Hilfe und setzt ihre neu entstandene Freundschaft zu der gleichaltrigen Lola aufs Spiel. Doch sie muss merken, dass die Drogensucht unaufhaltsam die Liebe zu ihrer Mutter zu zerstören droht.

Der auf der Autobiographie von Michelle Halbheer basierende Film „Platzspitzbaby“ erzählt davon konsequent aus der Perspektive der elfjährigen Mia, die versucht, ihr gemeinsames Leben mit ihrer Mutter zu meistern. So sehr man Mia wünscht, dass ihre Mutter die Sucht überwindet, bekommt man bald die Befürchtung, dass das Mädchen einen aussichtslosen Kampf kämpft. Es gibt leichte, unbeschwerte Momente zwischen Mutter und Tochter, doch diese werden weniger und weniger. Trotzdem will Mia Sandrine nicht allein lassen. Sie hofft auf einen Rubellosgewinn, um mit der Mutter ein sorgloses Leben auf den Malediven zu leben, und schließt den besorgten Vater aus, der eh nur einmal im Monat seine Tochter sehen darf. Beim Zuschauen nimmt es einen sehr mit, Mias verzweifelte unbedingte Liebe zu erleben und ihre Enttäuschung zu spüren, wenn die Mutter wieder rückfällig wird oder von Zuneigung zu Zurückweisung wechselt, sobald ihr der Stoff ausgeht. Denn nicht nur Mia ist abhängig von Sandrine, sondern diese genauso von ihr. Das wird besonders drastisch deutlich, wenn Sandrine Mia zwingt, mit ihr nach Zürich zu fahren und für sie Drogennachschub zu besorgen. Regisseur Pierre Monnard sucht eindrucksvolle, aufwühlende Bilder, setzt aber auch immer wieder Momente der Leichtigkeit dagegen, wenn Mia sich eine zarte, wenn auch zerbrechliche Freundschaft zu anderen Jugendlichen erkämpft und mit der ebenfalls aus einem schwierigen Elternhaus stammenden Lola ein kleines Aufatmen erlebt.

„Platzspitzbaby“ ergreift deutlich Partei für die der Situation ausgelieferte Tochter und ist eine ebenso klare Warnung vor Drogenkonsum. Nebenfiguren wie der nette, aber wenig aktive Lehrer, sowie die naive Sozialarbeiterin sind eher eindimensional gezeichnet. Doch Luna Mwezi als Mia und Sarah Spale als Sandrine schaffen es, durch ihr vielschichtes Spiel, in ihrem Aneinanderfesthalten zu berühren und verstehbar zu werden. Beim Schweizer Kinopublikum war der Film ein großer Erfolg.

Kirsten Loose

Anbieter

FilmverleihAlpenrepublik