Paranza - Der Clan der Kinder

Länge:
105 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
22.08.2019
Regie:
Claudio Giovannesi
Darsteller:
Francesco di Napoli (Nicola), Ar Tem (Tyson), Alfredo Turitto (Biscottino), Viviana Aprea (Letizia), Valentina Vannino (Nicolas Mutter), Pasquale Marotta (Agostino), Renato Carpentieri (Don Vittorio) u. a.
Genre:
Drama , Großstadtfilm , Literaturverfilmung
Land:
Italien, 2019

Der italienische Bestseller-Autor Roberto Saviano hat in seinem Werk „Gomorrha“ die Strukturen der Mafia und die Abhängigkeitsverhältnisse der Menschen, die in ihren Bann geraten sind, genau beschrieben. In seinem Roman „Der Clan der Kinder“, der nun von Claudio Giovannesi verfilmt worden ist, richtet er den Fokus auf minderjährige Jugendliche aus der bürgerlichen Mittelschicht in Neapel. In ihrem Ringen um Eigenständigkeit, Macht, Prestige und Geld werden sie zur leichten Beute für die Mafia-Clans, selbst wenn sie moralisch eigentlich das Gegenteil anstreben und sich gegen die Gewalt auf den Straßen zu wehren versuchen, die von rivalisierenden Gangs ausgeübt wird. Aufgewachsen ohne klare Perspektiven für die Zukunft und nicht selten ohne gesellschaftliches Ordnungssystem und ohne Rückhalt in der Familie erliegen diese „Paranzas“ wie sie sich selbst nennen, den Verlockungen der sozialen Medien und der modernen Konsumgesellschaft. Alle Statussymbole wollen sie haben, am besten sofort und ohne etwas dafür bezahlen zu müssen.

Einer dieser Jugendlichen ist der 15-jährige Nicola, der bereits gelernt hat, wie man mit Schutzgeld-Erpressungen das schnelle Geld machen kann, mit dem er dann bei seiner Freundin Letizia zu punkten und zu protzen versucht. Die aufrichtige Liebe zu ihr ist lange Zeit eine mögliche Alternative, mit der er der Spirale der Gewalt entgehen und mit ihr an einem anderen Ort ein neues Leben beginnen könnte. Doch die Gier nach Macht und Geld siegt am Ende und irgendwann ist der Punkt überschritten, nach dem es kein Zurück mehr gibt. Die konkurrierenden Mafia-Clans wollen sich ihr Geschäft nicht entgehen lassen und dennoch glauben Nicola und seine Freunde in geradezu selbstmörderischer Naivität, sich gegen die Älteren behaupten zu können, was unweigerlich in einem Blutbad enden muss.

Obwohl der Film an Originalschauplätzen in Neapel streng chronologisch gedreht und fast ausschließlich mit Laiendarstellern aus den sozialen Brennpunkten besetzt wurde, die weder den Roman noch das Drehbuch kannten, ging es dem Regisseur weder um die soziologische Analyse des Problems noch um eine klare Verortung in der Stadt. Seiner Ansicht nach lässt sich das Problem auf viele andere Städte übertragen. Mit seinem Coming of Age-Film möchte er diesen Jugendlichen selbst ein Sprachrohr geben und auf ihr Dilemma hinweisen, dass sie wie andere Jugendliche in ihrem Alter in erster Linie Liebe und Freundschaft suchen und ihren Platz in der Gesellschaft finden wollen, aber von der Macht des Geldes korrumpiert werden, sich dabei buchstäblich in schlechter Gesellschaft befinden und bis auf wenige Ausnahmen in die Kriminalität abdriften. So gesehen ist der Film, der auf den ersten Blick etwas zu fatalistisch und eindimensional wirken mag, doch ein eindringliches Plädoyer dafür, diese Jugendlichen nicht einfach zu verurteilen, sondern ihnen zuzuhören und ihnen eine Perspektive zu bieten.

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