Orangentage

Länge:
92 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
30.05.2019
Regie:
Ivan Pokorný
Darsteller:
Tomáš Dalecký (Darek), Hana Bartoňová (Ema), Emilie Neumeister (Hanna), Stanislav Majer (Dareks Vater), Steffen Groth (Uli), Eva Sakálová (Dareks Mutter) u.a.
Genre:
Drama , Literaturverfilmung
Land:
Tschechische Republik, Deutschland, Slowakische Republik, 2019

„ORANGENTAGE erzählt von Schrammen und von Orangenduft an der Schwelle zum Erwachsensein, von Verantwortung, von erster Liebe – mit einem Wort: vom Heranwachsen“, heißt es im Regiestatement des tschechischen Film- und Theaterregisseurs Ivan Pokorný, der diese tschechisch-deutsch-slowakische Koproduktion inszeniert hat. Der Film basiert auf dem gleichnamigen, preisgekrönten Jugendbuch der international bekannten Schriftstellerin Iva Procházková und stellt den Jungen Darek aus einem tschechischen Dorf im Dreiländereck von Tschechien, Polen und Deutschland in den Mittelpunkt. Darek besucht die 9. Klasse und musste nach dem Tod seiner Mutter früh erwachsen werden. Denn er wird gebraucht von seiner achtjährigen, geistig behinderten Schwester Ema und auch von seinem Vater, der den Verlust seiner Frau nur schwer verkraften kann und zunehmend im Alkohol Trost sucht. Erst recht, als die Glashütte im Ort schließt und er arbeitslos wird. Doch damit nicht genug, muss sich Darek tagtäglich mit seinem Mitschüler und früheren engen Freund Hugo herumschlagen. Hugo nutzt jede Gelegenheit, um Darek zu ärgern, ihm Prügel anzubieten und die wehrlose Ema zu schikanieren. Zum Glück ist Darek alles andere als ängstlich und weiß sich durchzusetzen. Dann aber kommen mit dem Sommer auch Lichtblicke in sein Leben. Uli, ein deutscher Freund des Vaters, hat eine zündende Geschäftsidee. Zusammen mit Dareks Vater will er auf ihrem Land kranke und damit für ihre Besitzer nutzlos gewordene Pferde pflegen und wieder aufpäppeln. Schon bald findet Darek Gefallen an den „Engeln, die Menschen Flügel verleihen“. Er kümmert sich liebevoll um die kranken Tiere und träumt davon, später ein Gestüt aufzumachen. Und dann steht eines Tages auch noch das deutsche Mädchen Hanna auf ihrem Hof, um sich von Darek einen Stromkreis für den Unterricht bauen zu lassen. Hanna ist 15 und besucht das Gymnasium in der naheliegenden Stadt Liberec. Sie ist hübsch, offen und direkt und sie duftet betörend nach Orangen. So beginnt für Darek eine wunderschöne Zeit der Orangentage, die jedoch am Ende der Sommerferien durch die Lüge von Dareks Vater jäh endet.


Angesiedelt in der idyllischen, abgelegenen Landschaft der Lausitzer Berge, eingefangen mit sommerlich-gedeckten, an alte DEFA-Filme erinnernden Farben behandelt dieses stimmungsvolle Coming of Age-Drama eine Vielzahl an Themen – ob nun der Verlust eines geliebten Menschen, die Fürsorge um ein behindertes Kind, Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg, ein Jugendamt, das die Familie auseinander bringen will, oder eben die erste Liebe und das Erwachsenwerden. Im Prinzip viel zu viel, als dass es ein Jugendlicher verkraften kann, und auch zu viel für einen 90-minütigen Film, der dies alles schlüssig erzählen soll. So wird leider vieles angerissen, manches Problem oberflächlich und gefällig gelöst, anderes bleibt ganz auf der Strecke. Der alten Weisheit, dass weniger oft mehr ist, haben leider weder Regisseur noch Drehbuchautorin Iva Procházková vertraut. Trotzdem strahlt der Film eine ganz eigene, einnehmende Atmosphäre aus, was nicht nur der Kamera, sondern auch dem hervorragenden Schauspielerensemble zu verdanken ist – allen voran dem jungen Tomáš Dalecký als Darek, der kleinen Hana Bartoňová als Ema sowie der mittlerweile 20-jährigen Emilie Neumeister als Hanna.

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