Nur ein Augenblick

Länge:
108 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
13.08.2020
Regie:
Randa Chahoud
Darsteller:
Karim (Mehdi Meskar), Lilly (Emely Cox), Max (Jonas Nay), (Karims Mutter) Amira Ghazalla, Karims Vater (Husam Chadat), Ahmed (Marwan Moussa), Jassir (Tariq Al-Saies) u. a.
Genre:
Drama , Politischer Film
Land:
Deutschland, Großbritannien, 2019

Der Syrien-Konflikt hat in den vergangenen Jahren hunderttausende Opfer gekostet und für großes politisches Aufsehen gesorgt. Mit „Nur ein Augenblick“ geht die Filmemacherin Randa Chahoud mitten hinein in diesen grausamen Bürgerkrieg – aber auf ungewöhnliche Weise: Über die Geschichte des jungen Flüchtlings Karim, der sich eigentlich schon ein neues Leben in Deutschland aufgebaut hat und nun wieder hineingezogen wird.

Weil er und sein Bruder Jassir wegen eines heimlichen Konzerts ins Schussfeld der syrischen Regierung geraten sind, schicken seine Eltern ihn nach Deutschland, damit er in Sicherheit ist. Der Abschied schmerzt – insbesondere von seinem Bruder, der sich der Befreiungsarmee angeschlossen hat und gegen die Machthaber kämpfen will. Auch Karim möchte bleiben, muss sich aber dem Willen seiner Eltern beugen.

Fünf Jahre später hat er sich in Hamburg ein vielversprechendes Leben aufgebaut: Er studiert, tüftelt gemeinsam mit seinem Kumpel Max an einer Start-up-Idee und seine Freundin Lilly ist gerade erst schwanger geworden. Außerdem ist seine Familie auf dem Weg nach Deutschland, sodass sie nach all den Jahren endlich wieder vereint sind. Doch dann ruft sein Bruder an und sagt ihm, dass er in Syrien geblieben ist, um weiter für die Freiheit zu kämpfen. Im Hintergrund fallen Schüsse; Karim soll seinem Kontaktmann Ahmed sagen, dass Jassir und seine Truppe ihren Standort nicht halten können. Einen Moment später bricht der Kontakt ab und Karim ist in Panik. Nachdem er Ahmed tagelang nicht erreichen kann, fliegt er kurzerhand in die Türkei, um ihn dort zu suchen. Schließlich erfährt er, dass sein Bruder in das geheime Foltergefängnis des syrischen Diktators gebracht wurde. Dann gerät er auch noch selbst in ein Feuergefecht und muss sich die schwere Frage stellen: Soll er nach Hause zu seinem sicheren Leben zurückkehren und das alles hinter sich lassen. Oder zieht er mit den Widerstandskampf, um seinen Bruder zu retten?

Es ist beeindruckend, wie die Regisseurin und Drehbuch-Schreiberin Randa Chahoud uns in nur knapp zwei Stunden einen tiefen Einblick in den Syrien-Konflikt gibt. Und uns dabei die harten Schicksale bewusst macht, die viele durchleben müssen. Karim hat bereits das erreicht, von dem viele nur träumen können: Sein Neustart in Deutschland ist mehr als geglückt, er hat sich in kurzer Zeit jede Menge aufgebaut. Doch da ist auch diese tiefe Verbundenheit mit seinem Bruder, die ihn wieder mitten hineinzieht und zeigt: Das alles kann man nicht einfach so hinter sich lassen. Und es ist ebenso krass wie nachvollziehbar, dass andere Syrer ihr komplettes Leben aufgegeben haben, um aus dem Untergrund heraus für die Freiheit zu kämpfen. „Nur ein Augenblick“ schickt uns durch eine ganze Reihe von Facetten dieses grausamen Krieges, der nicht nur viele Menschenleben kostet, sondern auch an der eigenen Menschlichkeit zehrt. Diese abenteuerliche und teils erschreckende Reise wirkt zwischenzeitlich etwas chaotisch und man fragt sich, wo der rote Faden ist. Doch am Ende passt alles zusammen und der Film lässt einen gedankenversunken zurück. Weil absolut spürbar geworden ist, welches Leid und welche Zerrissenheit dieser Konflikt verursacht. Wie schnell die Umstände dazu führen können, selbst zur Waffe zur greifen. Obwohl man doch eigentlich dachte, alldem entkommen zu sein.

Marius Hanke

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FilmverleihFarbfilm Verleih