November

Länge:
115 Minuten
Altersempfehlung:
noch keine Angabe
FSK-Freigabe:
Ab 18 Jahren
Kinostart:
29.11.2018
Regie:
Rainer Sarnet
Darsteller:
Rea Lest (Liina), Jörgen Liik (Hans), Dieter Laser (Baron), Jette Loona Hermanis (Baroness), Arvo Kukumägi (Rein) u.a.
Genre:
Fantasy , Drama
Land:
Estland, Niedrelande, Polen, 2018

Andrus Kivirähk ist einer der produktivsten und populärsten estnischen Autoren, dessen Bücher mittlerweile Kultstatus genießen – weit über die Ländergrenzen hinaus. Wie z. B. sein Erfolgsroman „Rehepapp ehk November“, eine Mischung aus estnischen Märchen- und Sagenmotiven und absurden, schrillen Fantasy-Elementen, auf dem dieser Film beruht. Regisseur Rainer Sarnet, bekannt durch seine besondere Bildsprache in der Dostojewski-Verfilmung „The Idiot“, hat auch hier wieder außergewöhnliche filmische Momente in Schwarz-Weiß-Ästhetik geschaffen. In welchem Jahrhundert dieses Mystery-Drama spielt, ist nicht genau auszumachen. Es kann das 18. oder auch 19. Jahrhundert sein, irgendwo in Estland auf dem Lande, wo im eiskalten Winter Werwölfe, Geister und der Teufel selbst ihr Unwesen treiben. Die Bauern sind ungebildet, abergläubisch, vor allem aber bitterarm. In Lumpen gekleidet, schmutzig und sich von „Baumrinde und Fledermäusen“ ernährend, kämpfen sie gegen die Pest und sind damit beschäftigt, irgendwo auf illegalem Wege etwas Reichtum zu ergattern. Manchmal können ihre „Kratts“, selbstgebaute Zauberwesen aus alten Haushaltsgegenständen, für die sie ihre Seele verkaufen, dabei helfen, das letzte Kalb aus dem verfallenen Schloss zu holen. In dem wohnt ein alter, tattriger Baron mit seiner mondsüchtigen Tochter, die so fernab von dieser Welt sind, dass sie nicht einmal bemerken, wie sie von ihren beiden noch übrig gebliebenen Untertanen regelmäßig bestohlen werden. Die Hauptfiguren in diesem Film aber sind die junge Bauerstochter Liina und der Dorfjunge Hans. In ihn hat sich Liina unsterblich verliebt, während Hans nur Augen für die Baronesse hat. Abend für Abend beobachtet er die Angebetete, wie sie über das Dach schlafwandelt und den Jungen unten nicht bemerkt. Vor Sehnsucht krank, behelfen sich die beiden Liebenden der dunklen Magie. Liina wendet sich an eine Hexe, um sich magische Verführungskünste verleihen zu lassen, Hans dagegen geht einen tödlichen Pakt mit dem Teufel ein. Und das alles für einen Augenblick des Glücks!

„November“ ist ein Film, der das Auge besticht, der eine düstere, surreale, kunstvoll-romantische Märchenwelt erschafft, sie aber häufig durch derbe, vulgäre Szenen bricht, die an den dumpfen, russischen Bauernhumor früherer Jahrhunderte angelehnt sein mögen. So ist beispielsweise eine grandios inszenierte und stimmungsvoll fotografierte Liebesszene parallel zu einer Szene montiert, in der ein abergläubischer Bauer die Schlossangestellte Luisa mit einem Fladen aus Exkrementen, Achselhaaren und Schweiß bezirzen will und dafür eine Gabel in den Rücken gerammt bekommt. Also reine Romantik in schöner Düsternis bietet der Märchenfilm für Erwachsene nur zum Einen, zum Anderen greift er den grotesken, absurden Humor der literarischen Vorlage immer wieder auf und versucht ihn, filmisch umzusetzen. Beim „goEast Festival des mittel- und osteuropäischen Films“ in Wiesbaden überzeugte gerade diese Mischung sowie die außergewöhnliche Umsetzung die Jury, dem „düsteren Folklore-Märchen in kontrastreichem Schwarz-Weiß“ den Hauptpreis, die Goldene Lilie, zu verleihen.

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