Nachlass - Passagen

Länge:
86 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
23.01.2020
Regie:
Christoph Hübner, Gabriele Voss
Darsteller:
/
Genre:
Dokumentation
Land:
Deutschland, 2020

2017 interviewte das Regie-Duo Christoph Hübner und Gabriele Voss für ihren Dokumentarfilm „Nachlass“ sieben Menschen, die sich mit dem schweren Erbe ihrer Eltern und Großeltern auseinandersetzen. Einige von ihnen stammen aus einer Generation von NS-Tätern, andere aus einer Generation von Nazi-Opfern. Dabei ging es Christoph Hübner und Gabriele Voss hauptsächlich um die Frage, wie die schwer belastete Vergangenheit in der Gegenwart und in uns Menschen fortlebt. 90 Stunden Material hatten die beiden damals für dieses Projekt gedreht. Nun stellten sie aus dem Material, das nicht für „Nachlass“ verwendet wurde, einen neuen Film zusammen.

In ihrer aktuellen Dokumentation „Nachlass – Passagen“ wird das Grundthema, nämlich das heutige Beschäftigen und Nachdenken über die Hinterlassenschaften aus der Nazizeit, auf eine allgemeinere und damit nicht ganz so persönliche Ebene gehoben. So erklärt beispielsweise Architektin Ursula Wilms anschaulich ihre Ansatzpunkte bei der Projektierung des Berliner Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“. Wie die weiße Farbgestaltung im Innern des Gebäudes symbolisiert, will dieser Erinnerungsort die Geschichte beleuchten und gegen das Vergessen antreten. Rechtsanwalt Kurt Schrimm, der die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen leitete, sowie Oberstaatsanwalt Andreas Brendel sprechen über juristische Aspekte der Täterverfolgung und setzen sich mit der Frage auseinander, warum es so wichtig ist, auch nach mehr als 70 Jahren die NS-Täter noch zur Rechenschaft zu ziehen. In anderen Beiträgen kommen Michael Friedrichs-Friedländer aus der Stolperwerkstatt in Berlin zu Wort sowie der Politikwissenschaftler Claus Leggewie, der über die Notwendigkeit des Vergessens einerseits philosophiert und andererseits darüber, was nicht vergessen werden darf. Beeindruckend ist auch, wie der Kurator der neuen Dauerausstellung in der Gedenkstätte Buchenwald persönliche Gegenstände der damaligen Häftlinge zeigt und die Geschichten, die sich dahinter verbergen, erzählt. Die Psychotherapeutin Marianne Bosshard wiederum denkt über die Herkunft eines Klaviers nach, das sie – seit sie denken kann – begleitet, aber wahrscheinlich einst einer jüdischen Familie gehört hat. Was Dinge mit solch einer Geschichte mit uns machen, fragt sich auch die Historikerin und Psychologin Tanja Hetzer. Bei ihr ist es ein Hochzeitsfoto ihrer Großeltern, das sie nicht loslässt, auf dem der Großvater in Naziuniform zu sehen ist.

Alle neun Beiträge in diesem interessanten, sachlich gestalteten Dokumentarfilm regen dazu an, die dunklen Seiten unserer deutschen Geschichte in Beziehung zu uns heute zu setzen und damit neue Ansätze und Fragestellungen der Aufarbeitung zu finden. „Nachlass – Passagen“ ist ein Film, der keine einfachen Antworten liefert und Diskussionen provoziert.

Barbara Felsmann

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