Mr. Long

Länge:
128 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
14.09.2017
Regie:
SABU (Hiroyuki Tanaka)
Darsteller:
Chen Chang (Mr. Long), Runyin Bai (Jun), Yiti Yao (Lily), Sho Aoyagi (Kenji), Masashi Arifuku (Heisuke), Taro Suwa (Tadao), Ritsuko Okusa (Kumiko), Shiiko Utagawa (Machiko), Yusuke Fukuchi (Jiang), Tetsuya Chiba (Sakata) u. a.
Genre:
Gangsterfilm , Großstadtfilm
Land:
Japan, Taiwan, Hongkong, China, Deutschland, 2017
Ein Auftragskiller soll in einem taiwanesischen Lagerhaus eine Gruppe von Gangstern zur Strecke bringen, die offensichtlich in der Übermacht sind. Doch mit geschickt gesetzten Messerstichen bringt er alle Gegner in kürzester Zeit zur Strecke. Das Genre scheint gesetzt: asiatische Kampfkunst, in atemberaubendem Tempo perfekt choreografiert, in einem schmuddeligen Gangsterfilm, etwas für hartgesottene Fans des Genres.

Kurz darauf wechseln der Schauplatz, das Erzähltempo und die Geschichte abrupt: Der nächste Auftrag führt den Killer nach Tokio in einen Nachtclub, in dem er einen blonden Gangster töten soll. Stattdessen wird er von dessen Komplizen überwältigt und ausgeraubt. Kurz vor seiner Hinrichtung taucht ein Unbekannter auf, der sich an dem Gangster rächen wollte. Dadurch gelingt es dem Killer, schwer verwundet zu fliehen und sich in einer verlassenen Wohnsiedlung zu verstecken. Dort findet ihn ein kleiner Junge und versorgt ihm mit dem Nötigsten. Die Mutter des Jungen stammt wie der Killer aus Taiwan und ist durch den blonden Gangster, den er ermorden sollte, drogenabhängig geworden. Der Fremde zwingt sie zum kalten Entzug und kocht für sie und ihren Jungen. Als ein Nachbar die leckere Suppe probiert, wird der wortkarge Mr. Long, wie ihn die Japaner nun nennen, umgehend als Koch engagiert. Begeistert von seinen Kochkünsten, bauen sie für ihn eine fahrbare Garküche, mit der er seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Die Gäste stehen bald Schlange und Mr. Long erfährt zum ersten Mal, was Zusammengehörigkeit und Freundschaft bedeuten. Seine Popularität bringt aber auch die Gangster wieder auf seine Spur …

Im Wettbewerb der Berlinale 2017 war der neue Film des versierten japanischen Regisseurs SABU (Jg. 1964) die vielleicht schönste Überraschung. Getragen von tiefer Sympathie für seinen geheimnisvollen und weitgehend zur stummen Beobachtung gezwungenen Protagonisten, der eigentlich ein kaltblütiger Mörder ist, überschreitet der Film mit viel schwarzem Humor und lakonischer Situationskomik nicht nur lustvoll typische Genre-Erwartungen, ohne am Ende dann doch nur ein „billiges“ Happyend anzubieten.. Er bringt das Publikum unweigerlich auch dazu, eingefahrene Denkmuster über das „Gute“ und das „Böse“ zu hinterfragen. Selbst in einem einsamen Killer, der plötzlich mit einer Grenzerfahrung konfrontiert wird, steckt womöglich das Potenzial zu einem liebevollen und fürsorglichen Mitmenschen. Und die taiwanesische Kochkunst als Mittel der Kommunikation zwischen Menschen und Kulturen scheint der Kunst der Selbstverteidigung und des Angriffs deutlich überlegen. Damit klingt zugleich noch eine weitere Bedeutungs- und Versöhnungsebene des Films an. Denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Taiwan noch eine japanische Kolonie.

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