Monos

Länge:
103 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
04.06.2020
Regie:
Alejandro Landes, Alexis Dos Santos
Darsteller:
Sofia Buenaventura (Rambo), Julián Giraldo (Lobo), Karen Quintero (Lady), Laura Castrillón (Schwedin), Deiby Rueda (Schlumpf), Moises Arias (Bigfoot), Sneider Castro (Boom Boom), Julianne Nicholson (Doktorin)
Genre:
Drama
Land:
Kolumbien, Argentinien, Holland, Deutschland, Dänemark, Schweden, Uruguay, 2020

Irgendwo in einer abgelegenen Bergregion Kolumbiens lebt in einem improvisierten, paramilitärischen Camp ein Gruppe Jugendlicher, die sich „Monos“ nennen. Sie haben sich Kampfnamen wie Rambo, Patagrande, Lady, Schlumpf oder Bum Bum gegeben. Ihr Auftrag ist, ihre einzige Geisel zu bewachen, eine amerikanische Ingeneurin, die sie Doctora nennen. Der zu bekämpfende Feind ist unsichtbar und unbekannt. Vielmehr geht es um ihre internen Rivalitäten, Beziehungen, Sexualität und das Leben in der freien Natur. Auch schlägt sich die Bande mit ihrer undurchsichtigen eigenen Gesetzgebung herum, die letztlich das Gesetz des Stärkeren bedeutet. Gewalt und Machtposen dienen zur Durchsetzung der Interessen. Seltsame Spiele, Trainingsrituale, manchmal auch zeremonielle Riten bestimmen ihren chaotischen Alltag in der Wildnis. Menschliche Wärme oder Zuwendung scheinen die wild lebenden Jugendlichen nicht zu kennen. Durch einen Boten erhalten sie Anweisungen von einer namenlosen Organisation. Eines Tages taucht ein kleinwüchsiger, aber umso bösartigerer Kommandant im Lager auf. Die Jugendlichen sollen sich nun auch um die Milchkuh Shakira kümmern, ihr Leben schützen, sie täglich melken. Als einer von ihnen Selbstmord begeht, eskalieren die Spannungen und die jungen Kämpfer versuchen sich aus dem Zugriff der Organisation zu befreien. Dazu ziehen sie sich weiter in den Regenwald im Amazonas zurück.

Das kolumbianische Regieteam mischt Elemente aus dem Klassiker „Herr der Fliegen“ mit Motiven von Kriegsfilmen oder des Dschungelsujets, wie „Aguirre, der Zorn Gottes“. Die gezeigten menschlichen Abgründe einer Gesellschaft jenseits der Norm, die aus den realen politischen Zuständen herausgelöst ist, wirkt umso stärker, als es sich um eine Gruppe Jugendlicher handelt. Mit einer guten Portion Unverfrorenheit, auch Brutalität, handeln diese ihr Zusammenleben aus. Was manchmal kalt, emotionslos und gewalttätig wirkt, offenbart doch auch immer eine große Sehnsucht nach Nähe und Zusammengehörigkeit. Kolumbien ist seit Jahrzehnten von Kriegen und Gewalt gezeichnet, die aber oft in den entlegenen Regionen und immer im Schatten der Weltgeschichte stattfinden. Monos ist das spanische Wort für Affen. Wo beginnt das Menschsein, wo hört es auf, diese Fragen wirft der parabelhafte Film auf. Im Vordergrund steht dabei niemals eine einfache Erklärung, vieles wird auf einer atmosphärischen Ebene abgehandelt. Die Natur schwirrt und knistert, führt ein Eigenleben, Gefahren lauern überall, Naturgesetze haben die Oberhand übernommen. Mit surrealen Elementen entwirft dieser atmosphärisch starke Film das bedrückende Bild einer Gesellschaft und ihrer jungen Generation. Diese versucht ihren eigenen Weg zu finden, handlungsmächtig zu bleiben, ist dabei aber stark geprägt von der Gewalt durchsetzten Geschichte ihres Landes. Die Riege der jungen Laiendarsteller spielt überzeugend, kraftvoll und liefert interessante und ungewöhnliche Gesichter und Figuren. Das eigenwillige Drama feierte Premiere auf dem Sundance Film Festival und lief bei den Filmfestspielen Berlin in der Sektion Panorama.

Christiane Radeke

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