Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot

Länge:
178 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
22.11.2018
Regie:
Philip Gröning
Darsteller:
Julia Zange (Elena), Josef Mattes (Robert) u. a.
Genre:
Drama , Jugend
Land:
Deutschland, Frankreich, Schweiz, 2018

Mitten in der Landschaft auf einem Feld. Weit und breit nichts außer einer Tankstelle und den Zwillingen Robert und Elena. Elena schreibt in wenigen Tagen ihre Abiturprüfung in Philosophie und so sinnieren die beiden über die Wahrheit und die Zeit. Sie lachen miteinander, schlagen sich, Elena beißt. Unvermittelt schreien sie sich an, beschimpfen sich und gehen dann doch wieder sehr vertraut miteinander um. Elena hat sich etwas vorgenommen: „Bevor ich die Abi-Arbeit schreibe, vögele ich noch mit einem“. Doch beim erstbesten zwanghaften Versuch mit dem nächsten Kunden der Tankstelle verläßt sie schnell das Interesse. Und wieder philosophieren die beiden über die Zeit. Was ist die Gegenwart – nur der Übergang von der Vergangenheit in die Zukunft oder das einzig wirklich Existente? Die Zwillinge leben im Film ausschließlich in der Gegenwart. Der Zuschauer erfährt fast nichts über ihre Vergangenheit und erst recht nichts über ihre Zukunftsvisionen. Stattdessen erlebt man den manchmal quälenden Prozess des Loslassens, des Erwachsen- und Selbständigwerdens und muss gegen Ende mitansehen, wie all das aus dem Ruder läuft, die Protagonisten die Kontrolle verlieren und die Handlung in Gewalt und Sex eskaliert.

Für all das nimmt sich Regisseur Philipp Gröning Zeit – viel Zeit, fast drei Stunden. Seine puristische Form der Darstellung im Hier und Jetzt ohne Schnörkel kann faszinieren oder sie kann abschrecken. Grönings Filme (Die Frau des Polizisten, „Die große Stille“, „Amour Argent Armour“) polarisieren. Was die einen als ganz eigene Filmsprache würdigen – Gröning ist Professor an der Internationalen Filmschule Köln und sein Film lief im diesjährigen Wettbewerbsprogramm der Berlinale –, provoziert bei anderen Stirnrunzeln oder schlichtes Unverständnis. Wenn man sich aber auf die eigenwillige Erzählform und die reduzierte Handlung einläßt, dann wirkt Grönings Film noch eine ganze Weile nach.

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