May, die dritte Frau

Länge:
94 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
10.06.2021
Regie:
Ash Mayfair
Darsteller:
Nguyen Phuong Tra My (May), Nguyen Nhu Quynh (Lao), Mai Thu Huong (Xuan), Le Vu Long (Hung), Tran Nu Yen Khe (Ha)
Genre:
Drama
Land:
Vietnam, 2018

Vietnam, am Ende des 19. Jahrhunderts: May ist gerade 14 Jahre alt und wird mit einem reichen Besitzer einer Seidenplantage verheiratet. Erst am Tag der Hochzeit bekommt das Mädchen den viel älteren Hung zu Gesicht. Und es erfährt, dass es den Mann mit zwei anderen Ehefrauen teilen muss. Lao und Xuan, beide älter und erfahrener, nehmen May respektvoll auf und führen sie in die strengen, hierarchischen Familienregeln ein, aber auch in die Liebesrituale. May begreift, dass sie einen Sohn zur Welt bringen muss, um ihre Stellung innerhalb der Familie festigen und Hausherrin werden zu können. So betet sie inständig darum, als sie schwanger ist, dass ihr ein Sohn geschenkt wird. Als die ebenfalls schwangere erste Frau Lao ihr Kind verliert, glaubt May durch ihre Gebete schuld daran zu sein. Ihre eigene Entbindung überlebt May dann nur knapp. Als sie wieder zu sich kommt, wird ihr das Neugeborene in den Arm gelegt. Es ist ein Mädchen und dazu ein Schreikind. May ist zunehmend überfordert. Erst recht, als ein junges Mädchen, das – wie sie – zwangsverheiratet werden soll, sich das Leben nimmt.

Inspiriert durch wahre Begebenheiten in ihrer Familie entführt uns die in Vietnam geborene und aufgewachsene Drehbuchautorin und Regisseurin Ash Mayfair in eine Welt, in der strenge, patriarchale Strukturen herrschen. Im Fokus steht dabei eine sensible 14-Jährige, die mit klugem, tiefsinnigen Blick ihr Umfeld beobachtet und zunächst bemüht ist, mit den starren Traditionen klarzukommen. Das solidarische, schwesterliche Verhältnis zu den beiden anderen Ehefrauen und deren Töchtern lässt sie langsam erwachsen werden. Und sie begreift, dass sie hier – trotz der gehobenen, gut situierten Verhältnisse – ihre Vorstellungen von Glück und Liebe nicht verwirklichen kann.

Mays Geschichte geht unter die Haut, obwohl sie ganz leise und fast undramatisch erzählt wird. Doch die fantastischen Bilder voller Poesie und Sinnlichkeit und die wunderbaren Darstellerinnen der drei Ehefrauen, besonders Nguyen Phurong Tra My als May, berühren auf eine ganz besondere Weise, üben einen unbeschreiblichen Sog aus und bleiben lange im Gedächtnis. „May, die dritte Frau“ ist ein Film, der auch bei mehrmaligem Anschauen immer wieder neue Entdeckungen bereithält.

Barbara Felsmann

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