Märzengrund

Länge:
110 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
25.08.2022
Regie:
Adrian Goiginger
Darsteller:
Jakob Mader (Elias, jung), Johannes Krisch (Elias, alt), Verena Altenberger (Moid), Harald Windisch (Vater), Gerti Drassl (Mutter)
Genre:
Drama , Jugend
Land:
Österreich, Deutschland, 2021

2019 bekam Filmemacher Adrian Goiginger das Theaterstück „Märzengrund“ von Felix Mitterer zu lesen und sagte sofort zu, an dem geplanten Filmprojekt mitzuarbeiten: „Die wahre Geschichte von Elias, sein Streben nach Glück und sein von der Gesellschaft losgelöstes Leben, haben mich zutiefst berührt. Ich habe eine tiefere, innere Verbundenheit zu diesem Elias gespürt und mich selbst in ihm gesehen“.


Darum geht es in „Märzengrund“:


1968 im Zillertal, Tirol: Elias ist 18 Jahre alt. Dass er als einziger Sohn eines reichen Großbauern den elterlichen Hof übernehmen wird, steht bereits seit seiner Geburt fest. Schon jetzt will ihn der Vater auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten und stark machen. So muss Elias zusehen, wie sein Vater einen verschuldeten Bauern zwingt, den Hof an ihn zu verkaufen. Und er darf nicht nett zu den Knechten sein, soll keine Bücher lesen, weil ihn „dieser Schund“ angeblich nur verweichlicht. Elias bemüht sich, den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden, doch es gelingt ihm nicht. Zunehmend fühlt er sich wie „ein Fremder in der Welt“. Dann lernt er die etwas ältere, bereits geschiedene Moid kennen und verliebt sich in sie. Von Anfang an verspüren beide eine tiefe Verbundenheit. Doch für die Eltern wie auch für die anderen Bauernfamilien ist diese Beziehung ein Skandal. Elias wird jeglicher Kontakt verboten, Moid verlässt das Dorf. Daraufhin fällt Elias in eine schwere seelische Krise. Der Hausarzt will ihn in die „Heilanstalt“ nach Innsbruck überweisen, doch der Vater meint, dass seinem Sohn nur Arbeit helfen kann. Er schickt Elias mitten im Winter auf die Hochalm Märzengrund, damit er dort alles für den Viehtrieb im Frühjahr vorbereiten kann. Doch dann verbringt Elias auch den Sommer in der einsamen Natur, allein mit den Kühen. Und als diese im Herbst ins Tal getrieben werden, weigert sich der Großbauernsohn mitzukommen. Eine Rückkehr in die alten, engen Strukturen ist für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Er zieht weiter hinauf in die Berge und führt 40 Jahre lang das Leben eines Einsiedlers.


Warum sich dieser Spielfilm lohnt:


„Märzengrund“ beruht auf einer wahren Geschichte. Elias heißt in Wirklichkeit Simon Koch und ist 2008 gestorben. Ihm widmet Adrian Goiginger seinen Film, der – trotz des zeitlichen Abstands – den Nerv unserer Zeit trifft. Denn immer mehr Menschen sehnen sich in unserer hektischen, digitalisierten Welt nach einem entschleunigten, ländlichen Leben oder zumindest nach einer Auszeit in der Natur. Nicht umsonst boomen Landlust- und Achtsamkeits-Zeitschriften, werden verstärkt naturnahe Aktiv-Urlaube gebucht oder kommen immer mehr Filme ins Kino, die unsere Sehnsucht nach Ruhe und einem Leben im Einklang mit einer intakten Natur stillen sollen. Adrian Goiginger spürt dieser Sehnsucht nach und bezaubert mit überwältigenden Landschafts- und Naturaufnahmen. Gleichwohl beschreibt er genau die Unwirtlichkeit der Natur, die Elias auch an den Rand des Ertragbaren bringt. So überrollt eine Schneelawine seine notdürftig erbaute Hütte und verletzt ihn schwer oder es werden seine Anstrengungen gezeigt, Essbares zu finden. Da muss schon mal ein Leckstein für die Kühe herhalten, um eine Suppe zu kochen.

Zugleich aber erzählt Adrian Goiginger eine bewegende Geschichte von einem Außenseiter, der sich den engstirnigen Konventionen seiner Familie und der Dorfgemeinschaft nicht unterordnen kann und will. In welcher Welt will ich leben und nach welchen Werten? Diese Frage stellt sich Elias immer wieder. Doch er muss erst eine schwere Krise durchleben, bis er sich zu seinen Bedürfnissen bekennen kann und eine äußerst radikale Entscheidung trifft. Sie hat allerdings zur Folge, dass die Familie auseinanderfällt und seine Schwester ihre Lebenspläne aufgeben muss. Denn auch sie wollte aus dieser engen Welt fliehen, das Zillertal verlassen und Lehrerin werden. Sie hat schließlich geheiratet und mit ihrem Mann den Hof übernommen. Elias dagegen hat seinen Frieden gefunden, in der Einsamkeit hoch oben in den Bergen. Am Ende seines Lebens aber muss er feststellen, dass er nie einem Menschen geholfen hat, nie für einen Menschen ganz da war. Ja, und irgendwie auch nie da sein konnte.


Unser Fazit zu „Märzengrund“:


Ein Film über eine stille, radikale Verweigerung, der berührt, bewegt, nachdenklich macht und in unglaublich schöne Landschaften entführt.

Barbara Felsmann

Anbieter

FilmverleihProkino