Luchadoras

Länge:
92 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
10.03.2022
Regie:
Paola Calvo, Patrick Jasim
Darsteller:
- / -
Genre:
Dokumentation
Land:
Deutschland, Mexiko, 2021

Mini Sirenita, Baby Star und Lady Candy sind Luchadoras aus der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. Wrestlerin, die den traditionellen Lucha Libre betreiben. In den 1930er Jahren wurde diese Form von Wrestling in Mexiko entwickelt und ist berühmt wegen seiner schnellen Abfolgen und seines spektakulären „High-Flying“. Zum Outfit gehört eine Maske, um die nicht selten gekämpft wird. Der Lucha Libre ist eine der beliebtesten Sportarten in Mexiko, oft findet er – sensationell inszeniert – in großen Arenen statt. In dieser Doku geht es aber nur zum Teil um das mexikanische Wrestling. Vor allem stehen die drei Luchadoras im Mittelpunkt, die der Gewalt gegen Frauen in ihrem Land etwas entgegensetzen wollen.


Worum genau geht es im Film „Luchadoras“?


Der Film beginnt mit einer Busfahrt zu eine der zahlreichen Montagefabriken am Rande von Ciudad Juárez. Die Kamera ruht auf den erschöpften Gesichtern der Frauen im Bus. Eine Stimme aus dem Off erzählt von einer Frau, die nachts von einem Busfahrer brutal geschlagen, vergewaltigt und dann komplett in eine Decke eingewickelt wurde, und sie berichtet von verstümmelten Frauenleichen, die in der Wüste bei Ciudad Juárez gefunden wurden. Ciudad Juárez ist die gefährlichste Stadt der Welt, besonders für Frauen. In den 1990er Jahren nahm hier eine beispiellose Serie an Femiziden (Morde an Frauen, weil sie Frauen sind) ihren Anfang, die bis heute anhält und nur selten aufgeklärt werden. Vor allem betroffen sind Arbeiterinnen aus den Montagefabriken, die auf ihrem Weg zur Schicht gekidnappt, vergewaltigt und umgebracht werden.

Die kleinwüchsige, 40 Jahre alte Mini Sirenita muss Tag für Tag solch einen gefährlichen Weg zurücklegen. Sie arbeitet in einer Montagefabrik und wohnt in einem Viertel, in dem die Kriminalität blüht. Von ihrem Lohn kann sie nicht leben. Mini Sirenita hat ihre Tochter allein großgezogen. Sie ist „ihr eigener Macho“ und darauf ist sie stolz. Als bekannte Luchadora hat sie nun Aussicht, in einer großen Arena in Mexico City zu kämpfen. Damit würde sie ihre finanziellen Schwierigkeiten in den Griff bekommen. Allerdings hat sie Sorge, ob sie in ihrem Alter den Strapazen dieser Schaukämpfe noch gewachsen ist.

Baby Star dagegen hat es schon in jungen Jahren in die Hauptstadt geschafft. Sie stammt aus einer Lucha Libre-Dynastie und ist mit diesem Schaukampf-Sport aufgewachsen. Baby Star trägt bei allen Kämpfen wie überhaupt in der Öffentlichkeit eine Maske. Nach der Geburt ihrer Tochter forderte ihr Ehemann, dass sie ihre Karriere als Luchadora aufgibt und Hausfrau wird. Baby Star hat sich von ihm getrennt und ist mit ihrer Tochter nach Ciudad Juárez zurückgekehrt. Hier kämpft sie wieder im Ring und will an ihre alten Erfolge anknüpfen. Doch als alleinerziehende Mutter fühlt sie sich oft überfordert und hin- und hergerissen zwischen Karriere und der Verantwortung für ihr Kind.

Lady Candy ist die jüngste Luchadora unter den drei Frauen. Sie ist Anfang 20 und hat bereits zwei Töchter. Als ihr Mann gewalttätig gegen sie wurde, hat sie sich von ihm getrennt. Nun kämpft sie darum, ihre Töchter regelmäßig zu sehen, denn ihr Ex-Mann versucht, jeglichen Kontakt zu verhindern. So wie Mini Sirenita und Baby Star ist auch Lady Candy eine selbstbewusste junge Frau, die gelernt hat, sich zu wehren, und Gewalt und Unterdrückung nicht mehr hinnehmen will.


Lohnt sich die Doku für dich?


Nicht umsonst ist der Film von Paola Calvo und Patrick Jasim gleich mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden. Er bewegt, erschüttert, fasziniert und macht Mut, gegen jedwede Art von Frauenfeindlichkeit aufzutreten. Die drei Protagonistinnen erzählen offen, aber auch voller Stolz von ihrem Leben, das lange Zeit von Angst und Anpassung geprägt war. Das Wrestling hat ihnen geholfen, selbstbewusst um ihre Interessen zu kämpfen, den prekären Verhältnissen zu entfliehen und ein Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung zu setzen. Zudem sind das Training und die Matches der Luchadoras spektakulär ins Bild gesetzt, während die Aufnahmen von Ciudad Juárez, wo an jeder Ecke nach verschollenen Frauen gesucht wird, erschüttern.

Barbara Felsmann

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: OmdtU

Anbieter

FilmverleihmissingFILMs

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (10. Woche ).