Looking at the Stars

Länge:
89 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
13.02.2020
Regie:
Alexandre Peralta
Darsteller:
/
Genre:
Dokumentation
Land:
Brasilien, 2016

„Streckt die Arme hoch! Lasst uns die Sterne im Himmel fangen!“ – mit diesen Worten motiviert Fernanda Bianchini die Kinder, die sie im klassischen Tanz unterrichtet. Das Besondere daran: Die Jungen und Mädchen können wenig oder gar nichts sehen. Sie besuchen die „Associação Fernanda Bianchini“ im brasilianischen São Paulo, die erste und einzige Ballettschule für Sehbehinderte in der Welt. Über die „AFB“, wie sie kurz genannt wird, hat der in São Paulo geborene Regisseur Alexandre Peralta 2014 einen Kurzfilm gedreht, der mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde. Das Projekt aber ließ ihn nicht los, zumal er während der Recherchen und Dreharbeiten auch viel über das private Leben der blinden Tänzer und Tänzerinnen erfuhr. Genug Stoff also, um daraus sein Langfilmdebüt zu entwickeln. In seinem Dokumentarfilm zeigt Alexandre Peralta also nicht nur die Arbeit an der Ballettschule, sondern rückt die Lebensgeschichten der beiden Tänzerinnen Geyza und Thalia in den Mittelpunkt.

Geyza, die ältere und dazu Primaballerina sowie Ballettlehrerin an der AFB, erblindete mit neun Jahren. Seit 17 Jahren tanzt sie, ist nun verheiratet und Mutter eines Sohnes. Alexandre begleitet sie ein Stück auf ihrem Weg, zeigt private Dokumente aus ihrer Kindheit, ist bei ihrer Hochzeit mit der Kamera dabei, in der Schwangerschaft, der ersten Zeit mit dem Baby zu Hause und bei ihrem Neubeginn in der Ballettschule. So stark und zielstrebig, wie die zarte Frau in der Schule und auf der Bühne wirkt, so unsicher ist sie auf der Straße und anfänglich auch im Umgang mit ihrem Baby.
Auch Thalias Leben hat zwei Seiten, ist sie doch oft mit Barrieren im normalen Alltag und mit Vorurteilen konfrontiert. Thalia ist seit ihrem zweiten Lebensjahr blind und konnte sich immer auf die Hilfe und die Begleitung ihrer Mutter verlassen. Doch nun, wo sie die Oberschule besucht, möchte sie mehr und mehr auf eigenen Füßen stehen. Mit sechs Jahren begann sie, Ballettunterricht zu nehmen. Das Tanzen machte sie stark, half ihr, die alltäglichen Ausgrenzungen in der Schule zu verkraften und an ihren Wünschen und Träumen festzuhalten.

Alexandre Peralta dokumentiert auf eindrückliche Weise, wie die beiden Frauen ihre Sterne im Himmel gefangen haben und weiterhin fangen. Doch nicht nur. Sein Film zeigt zudem, wie durch die Initiative und die Ideen einer Frau, nämlich Fernanda Bianchini, schier Unmögliches möglich wird, mit welchen Methoden sie beim Ballettunterricht die Beeinträchtigung ihrer Tänzerinnen und Tänzer austrickst und zu welchen Leistungen ihre Schüler*innen bei den spektakulären Auftritten imstande sind. Und das auf eine spannende und höchst emotionale Weise.

Barbara Felsmann

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