Leid und Herrlichkeit

Länge:
114 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
25.07.2019
Regie:
Pedro Almodóvar
Darsteller:
Antonio Banderas, Penélope Cruz, Asier Etxeandia, Leonardo Sbaraglia, Julietta Serrano, Nora Navas
Genre:
Drama
Land:
Spanien, 2019

Der alternde Regisseur Salvador Mallo steckt in einer ausgewachsenen Lebenskrise. Sein Körper ist eine einzige Baustelle, Schmerzen plagen ihn und Medikamenten-Cocktails begleiten seinen arbeitsleeren Alltag. Wie ein trauriges Schiff segelt er durch die Tage. Alles ändert sich, als die Cinemathek den frühen Welterfolg „Sabor“ des weltweit bekannten spanischen Filmemachers wieder aufführen will. Zu diesem Anlass sucht Salvador seinen damaligen Hauptdarsteller Alberto Crespo auf. Damals sind sie im Zerwürfnis über den Film auseinander gegangen, sie haben seit 32 Jahren kein Wort miteinander gewechselt. Alberto ist entsprechend überrascht, aber er bittet den alten Weggefährten herein. Es gibt keine Aussprache, aber eine Annäherung, Verständnis, Gelassenheit, und eine Friedenspfeife: Gemeinsam rauchen sie etwas Heroin. Alberto war schon seinerzeit süchtig. Im Rausch gleitet Salvador ab in Kindheitserinnerung an seine Mutter, seine arme Herkunft, in der das Geld des Vaters nur für eine unterirdische Behausung reichte, welche die Mutter aber in bunten Farben und mit einfachen Mitteln verschönerte. Denn Schönheit, Kunst und Bildung - das hat Salvador schon als Kind gelernt, ohne dass es ihm jemand direkt beigebracht hätte - sind das, was den Menschen rettet. Die Begegnung der beiden älteren Männer bleibt von widerstreitenden Gefühlen geprägt, aber dann zieht Alberto eine Kurzgeschichte des Regisseurs aus dem Stapel auf dem Schreibtisch, die er unbedingt auf die Bühne bringen will. Und so wird Salvador überraschend als Autor auf der Bühne wiedergeboren. Später taucht auch Salvadors große Liebe Federico auf. Auch ihn hat er seit einer Ewigkeit nicht gesehen. Drogen haben Federico damals von Salvador getrennt. Denn auch das hat Salvador in seinem Leben gelernt: Die Liebe kann die Person, die man liebt, nicht retten.


Pedro Almodóvar hat mit diesem Film Kunst, Leben, Realität und Fiktion zu einem ebenso bunten wie melancholischen Vexierspiel verknüpft, ohne damit direkt seine Autobiografie zu erzählen. Vielmehr ist es die Kunst, die Farbigkeit, die Überhöhung, die eine viel tiefere emotionale Wahrheit als die Realität vermittelt. Die Kluft zwischen der zunehmenden Einsamkeit der Menschen im Alter zu ihren Sehnsüchten und Begierden ist immer präsent. Gleichzeitig liegt in allen Beziehungen auch die Versöhnung, die oft keiner Worte sondern nur Nachgiebigkeit und Blicke benötigt. Bei aller Melancholie sind alle Begegenungen geprägt von einem leisen und liebevollen Humor. So wird die Buntheit des Films niemals zum Kitsch, und die Rückblenden auf die arme aber von Liebe geprägte Kindheit wirken niemals sentimental. Salvador als Kind unterrichtet den Dorfanalphabeten, der ihn wiederum auf einem Fetzen Packpapier skizziert. Letztendlich erzählt Almodóvar auch auf sehr anrührendende Weise, dass es eben doch die Liebe ist, die den Menschen rettet, selbst wenn sie nicht ausgesprochen oder ausgelebt werden kann. Die überaus poetische und kraftvolle Reise in die Welt eines Kreativen ist für Fans des spanischen Meisterregisseurs und ein erwachsenes Publikum von großem Interesse. Für junge Zuschauer ist es ein Lehrstück darin, zwischen den Zeilen lesen zu lernen. Die Bilder sind vor Farben schier zerberstende Tableaus, der Erzählrhythmus ist getragen. Der Zuschauer wird auf eine schwelgerische und lebensweise Art in die Welt der Kunst entführt, die immer auch das Leben ist. Antonio Banderas wurde in diesem Jahr in Cannes für seine brillante Darstellung ausgezeichnet. Aber auch jede andere Rolle in diesem Filmkunstwerk ist wunderbar passend besetzt.

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