Layla M.

Länge:
100 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
12.04.2018
Regie:
Mijke de Jong
Darsteller:
Nora El Koussour (Layla), Ilias Addab (Abdel), Hassan Akkouch, Yasemin Cetinkaya, Husam Chadat, Karl Ferlin u. a.
Genre:
Drama
Land:
Belgien, Niederlande, Deutschland, Jordanien, 2018

Die 18-jährige Layla aus Amsterdam ist so intelligent wie unangepasst. Geboren und aufgewachsen in den Niederlanden in einer liberal eingestellten Familie mit Aussicht auf ein Medizinstudium nach dem Abi, möchte sie ihre marokkanischen Wurzeln nicht verleugnen. Täglich bekommt sie den zunehmenden Argwohn der Bevölkerung gegen Kopftuchträgerinnen und bärtige Männer zu spüren. In ihrem Glauben findet sie Halt und in einer muslimischen Gruppe Gleichgesinnte, die nicht einfach passiv hinnehmen wollen, was im Syrienkrieg oder im Gaza-Streifen passiert. In Abdel findet sie einen jungen Mann, der ähnlich wie sie denkt. Sie heiraten, engagieren sich sozial und politisch, radikalisieren sich. Einem Kommando der belgischen Polizei entkommen sie nur knapp und fliehen in den Mittleren Osten. Konfrontiert mit Armut, Elend und Zerstörung, aber auch mit einer erzkonservativen patriarchalen Gesellschaft, in der die Frauen ihren Männern zu gehorchen haben, muss Layla eine schwere Entscheidung treffen ...

Die niederländische Regisseurin Mijke de Jong, deren jugendaffine Filme schon mehrfach in der Sektion Generation der Berlinale vertreten waren, wie etwa ihr preisgekrönter „Bluebird“ (2004), liefert in ihrem neunten Spielfilm das sensible Porträt einer unangepassten Jugendlichen zwischen zwei Kulturen. Diese lehnt sich gegen soziale Ungerechtigkeit, verbunden mit individuellem und politischem Egoismus auf, engagiert und radikalisiert sich schließlich. Bei der Entwicklung der Hauptfigur musste Mijke de Jong an ihre eigene Jugend denken, an die Hausbesetzerszene der 1980er Jahre und Demonstrationen gegen das Establishment, gegen Krieg und Gewalt. 30 Jahre später findet dieses Aufbegehren und die Rebellion eines Teil der Jugendlichen vor einem völlig anderen gesellschaftlichen Hintergrund statt, dem einer zersplitterten multikulturellen Gesellschaft, des allgegenwärtigen Terrorismus und der radikalen Islamisten. Und plötzlich gibt es häufig nur noch einfache Erklärungsmuster, etwa über eine Kopftuch tragende Muslimin (arabisch: Muslima), die sich einer radikalen Gruppierung anschließt, die Welt selbst in Gut und Böse unterteilt und dann im Nahen Osten aktiv wird. Dass die Realität deutlich komplexer ist und es gerade als junger Mensch nicht einfach ist, sich zwischen den Kulturen zurechtzufinden, zeigt die Regisseurin mit ihrem beklemmenden und nachdenklich stimmenden Film.

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