Lady Macbeth

Länge:
89 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
02.11.2017
Regie:
William Oldroyd
Darsteller:
Florence Pugh (Katherine), Cosmo Jarvis (Sebastian), Naomi Ackie (Anna), Paul Hilton (Alexander), Christopher Fairbank (Boris) u.a.
Genre:
Drama , Historienfilm , Literaturverfilmung
Land:
Großbritannien, 2016
England im Jahr 1856: Die Hochzeit mit dem deutlich älteren Alexander ermöglicht der aus armen Verhältnissen stammenden Katherine den sozialen Aufstieg. Allzu viel Freude hält ihr neues Leben allerdings nicht bereit. Denn der stets übel gelaunte Gatte verbietet ihr, das auf dem Land liegende Anwesen zu verlassen. Und ihr Schwiegervater Boris, der Katherine gekauft hat, erinnert sie energisch an ihre ehelichen Pflichten. Denen kann sie jedoch nicht nachkommen, da Alexander kein Interesse an seiner Partnerin zeigt. Als ihr Mann und Boris geschäftlich auf Reisen gehen, bricht Katherine erstmals aus ihrem trostlosen Dasein aus, erkundet die nähere Umgebung des Hauses und begegnet schließlich dem temperamentvollen Gutsarbeiter Sebastian. Nur wenig später stürzt sich die junge Frau, zum Entsetzen des Hausmädchens Anna, in eine leidenschaftliche Affäre, die sie auch nach der Rückkehr ihres Schwiegervaters nicht aufgeben will.

Der Titel von William Oldroyds Spielfilmdebüt, das auf einer Novelle des russischen Schriftstellers Nikolai Leskow basiert, weckt unweigerlich Erinnerungen an das Shakespeare-Drama „Macbeth“, in dem der Protagonist gemeinsam mit seiner verschlagenen Gattin ein Schreckensregiment errichtet und darüber in den Wahnsinn abgleitet. Eine düstere Entwicklung nimmt auch Katherines Emanzipationsstreben, wobei ihr immer skrupelloseres Verhalten nicht vollends verteufelt wird. Vielmehr beschreibt der fast komplett ohne Musik auskommende Kostümstreifen einen beklemmenden, von Männern bestimmten Alltag, in dem Frauen zu Objekten degradiert werden und der offenbar nur mit einem Kraftakt zu durchbrechen ist. Die Unterdrückung und Demütigung, die Katherine tagein, tagaus erdulden muss, beantwortet sie mit einem gewaltsamen Befreiungsschlag, der ihren Willen nach Selbstbestimmung schonungslos offenlegt. Irgendwann ist sie nicht mehr bereit, sich wie ein Stück Vieh behandeln zu lassen, und dreht den Spieß einfach um. Die Wandlung vom fügsamen Mäuschen zur liebeshungrigen Kämpferin ist auch deshalb so faszinierend, weil Hauptdarstellerin Florence Pugh eine immer stärkere Präsenz ausstrahlt. Oldroyds präzise Inszenierung spiegelt ebenfalls auf eindrückliche Weise die langsame Verschiebung der Machtverhältnisse. Sind die gemäldeähnlichen Einstellungen anfangs fast durchweg statisch, kommt mit Katherines Erkundungen und dem Beginn ihrer Affäre plötzlich etwas Leben in die Bilder. Die strenge, unterkühlte Gutshofatmosphäre wird mit Leidenschaft und Emotionen infiziert, was auch dem Zuschauer, zumindest vorübergehend, wie eine Erlösung vorkommt.

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