Kahlschlag

Länge:
98 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
05.03.2020
Regie:
Max Gleschinski
Darsteller:
Florian Bartholomäi (Martin), Bernhard Conrad (Eric), Maike Johanna Reuter (Frenni), Arne Fuhrmann (Onkel Achim), Christoph Gottschalch (Sachsenvater) u. a.
Genre:
Thriller
Land:
Deutschland, 2018

Hin und wieder werden kleine Filme jenseits aller Fördertöpfe und mit bescheidenen finanziellen Mitteln wie etwa durch Crowdfunding produziert, die dann den Sprung auf internationale Festivals und auf die große Leinwand schaffen. Der bereits 2018 fertiggestellte Psychothriller „Kahlschlag“ gehört zu diesen Glückspilzen. Er hatte im gleichen Jahr seine Premiere auf den Hofer Filmtagen, gewann dort den Förderpreis Neues Deutsches Kino und kommt nun ein gutes Jahr später ins Kino.

Martin und Eric sind seit Kindheitstagen eng miteinander befreundet und haben sich als Jugendliche in dasselbe Mädchen verliebt. Fast scheint es, als würde der von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Eric das Rennen machen, obwohl er sich gleichzeitig um seinen zur Gewalt neigenden Zwillingsbruder kümmern muss und Martin eindeutig der Sensiblere von beiden ist. 20 Jahre später lebt Martin mit Frenni glücklich in einem kleinen Haus auf dem Hof seiner Eltern in Mecklenburg-Vorpommern. Schon lange hatte er keinen Kontakt mehr zu Eric. Eines Tages steht dieser unangekündigt vor der Tür und überredet Martin hartnäckig zu einem gemeinsamen Angelausflug an einen nahegelegenen Stausee. Was anfangs wie der Versuch wirkt, die alte Freundschaft wieder aufleben zu lassen, entpuppt sich schnell als wohlkalkulierte Abrechnung mit Martin, die auf verbaler Ebene beginnt. Schon bald spitzt sich die Situation zwischen den ehemaligen Freunden zu und Martin erkennt, dass er für seine damaligen Fehler büßen soll. Unterdessen macht sich auch Frenni auf den Weg zum See.

„Kahlschlag“ variiert die bekannte Dreiecksgeschichte zweier ungleicher Freunde, die um dieselbe Frau buhlen, auf erfrischende, unkonventionelle und auch in Kameraführung und Montage bestechende Weise. In Rückblenden werden Gegenwart und Vergangenheit unmittelbar gegenübergestellt, wobei die Entwicklung der Figuren an Tiefe gewinnt. Bemerkenswert ist auch die Ein-Mann-Filmmusik, die aus analog erzeugten akustischen Klängen besteht. Nicht alles an diesem Langfilmdebüt wirkt stimmig, etwa ein ohne ersichtlichen Grund wiederholt auftauchendes sächsisches Liebespaar, das als running gag die unablässig voranschreitende Eskalation der Gewalt etwas auflockern soll, und weitere dramaturgische Ungereimtheiten. Das Finale jedoch hat es in sich und schon lange vorher lässt der sehr billig produzierte Film sein großes Potenzial erkennen.

Holger Twele

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (10. Woche 2020).