Jugendland

Serienstart:
16.06.2022
Staffel:
1
Folgen:
6
Länge der Folgen:
20 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Regie:
Christoph Heymann
Darsteller:
/
Genre:
Dokumentation , Jugend
Land:
Deutschland, 2022

Einfamilienhäuser, viel Grün, zwei Badeseen in der Nähe, ein Freizeitpark. Jede*r kennt hier jede*n. In Uetze, einer Ortschaft am Rand der Lüneburger Heide, leben rund 7.500 Menschen. Einer davon: René. „Man liebt und hasst Uetze gleichzeitig“, sagt er über sein Heimatdorf. Vier Jahre lang, von 2018 bis 2022, hat  Dokumentarfilmer Christoph Heymann den mittlerweile 24-Jährigen mit der Kamera begleitet. Herausgekommen ist dabei eine Doku-Serie über „das Erwachsenwerden auf dem Dorf“.


Darum geht es in der Doku-Serie „Jugendland“:


Bereits mit 20 Jahren hat René einige Strafverfahren am Hals: Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein, unbefugter Gebrauch von Motorrädern im Straßenverkehr. Seine Mutter ist früh gestorben, sein Vater hat ihn vor die Tür gesetzt. Jede Nacht sucht er sich ein Schlafquartier bei Freunden und „revanchiert sich mit Drogen und Essen“. An Drogen ran zu kommen, ist auch auf dem Land kein Problem, „wenn man die richtigen Leute kennt“. 2019 wird René zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt, er sitzt sie in der Jugendanstalt Hameln ab. Danach hat René große Pläne: Er will weg aus Uetze, eine Ausbildung machen, vielleicht in einer Tischlerei oder Schreinerei. Und er will sich verloben, hat „die Frau des Lebens“ gefunden. Nur die ersten ein, zwei Monate möchte René nichts tun, einfach seine Freiheit genießen. Nach vier Wochen, im Herbst 2020 wohnt er mit seiner Freundin in Hänigsen, einem Ortsteil der Großgemeinde Uetze. Weit ist René also nicht gekommen. Er hat sein Entlassungsgeld „verzockt, verkifft, für Scheiße ausgegeben“. Arbeit ist nicht in Sicht. Und er weiß, dass wieder etwas passieren wird. „Das ist vorprogrammiert“, sagt er, „wenn man mit solchen Leuten zu tun hat“. Viele Hürden muss René noch nehmen, Rückschläge einstecken, die Trennung von seiner Verlobten verkraften, bis es endlich im Frühjahr 2022, 18 Monate nach seiner Haftentlassung, einen Lichtblick in seinem Leben gibt.


Warum sich die Miniserie „Jugendland“ lohnt:


Der eine in der Großstadt, der andere auf dem Land. Im Februar 2022 feierte ein ähnliches Projekt wie diese sechsteilige Miniserie seine Premiere bei der Berlinale: die Langzeitdokumentation „Kalle Kosmonaut“, für die das Filmemacherduo Christine Kugler und Günther Kurth zehn Jahre lang einen Jungen aus einer Berliner Plattenbau-Siedlung begleitet haben. Pascal, genannt Kalle, teilt ein ähnliches Schicksal wie René. Auch Pascal hat längere Zeit im Gefängnis gesessen und muss sich nach der Entlassung neu orientieren. Dieser Prozess gestaltet sich – wie bei René – sehr schwierig. Allerdings wird Pascal von seiner Mutter und Großmutter sowie von seiner eigenen kleinen Familie aufgefangen. René dagegen steht nach der Trennung von seiner Verlobten ganz allein da und findet auch keinen Halt in der Dorfgemeinschaft. „Man gehört halt nicht dazu“, resümiert er in der letzten Folge. Denn: „Du machst 1.000 gute Sachen, kein Mensch sieht es, aber machst du eine schlechte Sache, dann hängt dir das dein ganzes Leben an“.

Regisseur und Produzent Christoph Heymann lässt in seiner Mini-Serie hauptsächlich René vor der Kamera agieren. Und ehrlich gesagt, braucht es ein bisschen Zeit, einen Zugang zu ihm zu finden. Doch dann überzeugt seine Offenheit und seine Ehrlichkeit. Nicht nur, dass er über seine Probleme spricht, er macht auch deutlich, wie schwierig ein Neuanfang sein kann. Dazwischen fängt Heymann immer wieder die dörfliche Atmosphäre in Uetze und Umgebung ein, die ähnlich widersprüchlich und sperrig ist wie sein Protagonist René.

Barbara Felsmann

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (24. Woche 2022).