Iuventa

Länge:
88 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
14.07.2018
Regie:
Michele Cinque
Darsteller:
-
Genre:
Dokumentation , Jugend , Politischer Film
Land:
Italien, Deutschland, 2018

Am 25. Juni 2018 skandierten Teilnehmende einer Pegida-Kundgebung in Dresden lautstark „Absaufen! Absaufen!“. Damit meinten sie das Rettungsschiff „Lifeline“, das zu jenem Zeitpunkt mit 234 Geflüchteten an Bord im Mittelmeer unterwegs war und Mühe hatte, einen Hafen zu finden, wo die Geretteten in Europa an Land gehen konnten. Während die deutsche Polizei und Staatsanwaltschaft nach Medienberichten nun prüft, ob diese Pegida-Sprüche einen Straftatbestand darstellen, versuchen die italienischen Behörden schon seit einiger Zeit die Seenotrettungsprojekte wie „Sea-Watch“, die im Mittelmeer vor der Küste Libyens aktiv sind, um Flüchtlingen zu helfen, zu kriminalisieren, indem sie diesen Nichtregierungsorganisationen (NGO) unterstellen, dass sie mit Schlepperbanden gemeinsame Sache machen würden. So auch der Initiative „Jugend rettet“. Ihr Rettungsboot „Iuventa“ wurde aus diesem Grund im August 2017 beschlagnahmt.

Mit dieser Polizeiaktion und den Demonstrationen in Berlin und anderswo für die Freigabe des Schiffes endet der Dokumentarfilm „Iuventa“ des italienischen Regisseurs Michele Cinque. Der Schluss seines Films wird im pochenden Hämmern der Filmmusik zu einer klaren politischen Botschaft verdichtet: Gebt die „Iuventa“ frei! Lasst die Initiative „Jugend rettet“ ihre Mission im Mittelmeer fortsetzen! Sie rettet Leben! Angesichts einer steigenden Zahl ertrinkender Flüchtlinge und seitdem nur noch wenige Rettungsschiffe vor Libyen agieren dürfen, ist die Aussage des Films klar und notwendig. Besonders aber der fast propagandistisch zu nennende Musikeinsatz im Schlussteil, mit der Michele Cinque und das Filmteam dem Zuschauer die Botschaft überdeutlich einhämmern möchten, schmälert die filmische Qualität dieses Dokumentarfilms, der ansonsten sehr differenziert die Aktionen von „Jugend rettet“ seit ihrer ersten Rettungsaktion im Frühjahr 2016 nachzeichnet.

Junge Leute, die dem Sterben im Mittelmeer nicht länger zuschauen wollen, gründen „Jugend rettet“ im Herbst 2015 in Berlin. Durch Crowdfunding ist schnell genug Geld vorhanden, um ein Schiff zu kaufen und es für die Seenotrettung umzubauen. Cinques Film macht im Stil einer beobachtenden Dokumentation sehr deutlich, mit welchem Enthusiasmus die jungen Retter ans Werk gehen und wie absurd der spätere Vorwurf der Behörden ist, sie hätten irgendetwas mit den Schlepperbanden gemein. Die Gründer von „Jugend rettet“ wollen ein Signal der Humanität setzen. Sie wollen durch ihr Handeln zeigen, dass die Einstellung des europäischen Seenotrettungsprogramm „Mare Nostrum“ 2015 ein Fehler war und weiterhin Seenotrettung im Mittelmeer aus humanitären Gründen stattfinden muss. Dies zeigt auch bereits die erste Aktion der „Iuventa“ im Frühjahr 2016: In nur 15 Tagen holen die jungen Seenotretter 2.000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer, die auf nicht seetauglichen Schlauchbooten von Schlepperbanden gegen hohe Honorare einfach auf die hohe See hinausgeschickt wurden – und sie damit auch in den sicheren Tod schicken, gäbe es die Seenotrettung nicht mehr. Anhand einiger Protagonisten zeichnet Cinque die Motivation einzelner Crewmitglieder der „Iuventa“ nach und schafft so ein authentisches Bild junger politisch aktiver Menschen in Europa. Aber auch die Zweifel, die einzelne Mitglieder des Organisationsteams an der Mission haben, ob denn nicht letztlich die „Iuventa“ und andere Schiffe nun den europäischen Staaten den Job abnähmen, Flüchtlinge aus humanitären Gründen aus Seenot zu retten, werden dargestellt. Schließlich besuchen einige Crewmitglieder Gerettete in Flüchtlingscamps, was nochmal zu bewegenden Szenen in Cinques Dokumentarfilm führt. Diese Szenen zeigen aber auch, welches Potential die Geflüchteten für Europa darstellen. Es sind agile, leistungsbereite Menschen, die trotz aller Gefahren und Ängste, die sie während ihrer Flucht erfuhren, optimistisch geblieben sind. So führt Cinques Films wesentlich sensibler als im Schlussteil seines Films in solchen Szenen die aktuelle Kampagne von Rechtspopulisten und manchen Medien, auch in Deutschland, alle Flüchtlinge pauschal als Gefährder, Kriminelle und Vergewaltiger abzustempeln, gänzlich ad absurdum. Er zeigt vielmehr, dass die absolute Mehrheit der Geflüchteten keine Gefahr, sondern eine Bereicherung für die Gesellschaften Europas darstellen – und plädiert für eine humane und besonnene Asylpolitik in Europa.

Vor seiner Fernsehausstrahlung auf 3sat am 13. August 2018 um 22:25 Uhr, ist der Film jetzt im Rahmen einer bundesweiten Kinotournee in Kinos zahlreicher deutscher Städte zu sehen. Die Daten dieser Kinotour kann man auf folgender Website erfahren: www.iuventa-film.de/#kino

Anbieter