Heilstätten

Länge:
89 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
22.02.2018
Regie:
Michael David Pate
Darsteller:
Sonja Gerhardt (Marnie), Tim Oliver Schultz (Theo), Nilam Farooq (Betty), Emilio Sakraya (Charly), Timmi Trinks (Finn), Lisa-Marie Koroll (Emma), Davis Schulz (Chris)
Genre:
Horror , Thriller
Land:
Deutschland, 2018

Um ihren Zuschauern und Followern ein besonderes Erlebnis zu bieten, quartieren sich die Videoblogger Charly, Finn, Betty und Emma in einer ehemaligen Heilanstalt vor den Toren Berlins ein. Begleitet wird die abenteuerlustige, mit umfangreichem technischem Equipment ausgestattete Truppe von Finns altem Kumpel Theo, der die Klinik wie seine Westentasche kennt. Kurz nach ihrer Ankunft in der verlassenen Einrichtung steht plötzlich auch noch Theos Ex-Freundin Marnie auf der Matte, die bei einem früheren Besuch des einstigen Sanatoriums einen Geist gesehen haben will und dementsprechend angespannt ist. Die anderen lassen sich von ihrer Verunsicherung allerdings nicht anstecken, installieren an verschiedenen Orten Kameras und streifen neugierig durch die heruntergekommenen Räumlichkeiten, in denen man noch immer Spuren einer grausigen Vergangenheit entdecken kann. Irgendwann begreifen die YouTube-Stars, dass sie sehr wohl um ihr Leben fürchten müssen.


20 Jahre nach dem unglaublichen Erfolg des Found-Footage-Schockers „The Blair Witch Project“, der eine Schwemme plumper Nachahmungen lostrat, versucht sich Michael David Pate („Kartoffelsalat – Nicht fragen!“) an einem deutschen Gruselstreifen mit pseudodokumentarischen Wackelbildern und schlägt dabei einen Bogen zu den Auswüchsen, die man heutzutage auf YouTube „bewundern“ darf. Im Wettstreit um neue Likes und Zuschauer scheuen so manche der online aktiven Teenageridole vor nichts zurück und leben ihrem Publikum eine unreflektierte Was-kostet-die-Welt-Mentalität vor. In seiner Figurenzeichnung greift der Horrorthriller „Heilstätten“ die Sucht nach Geltung und Anerkennung unverhohlen auf und nimmt durchaus in Kauf, dass die jungen Protagonisten – besonders die Prank-Experten Charly und Finn – mit ihrem aufgekratzten Verhalten und ihrer betont lässigen Sprache anstrengend wirken könnten. Während Pate das Phänomen der exzessiven Selbstdarstellung recht überzeugend einfängt und die Schauspieler ihre Rollen halbwegs glaubhaft ausfüllen, fehlt es dem Drehbuch an cleveren Ideen, um permanentes Unbehagen zu verbreiten. Obwohl das Setting – Handlungsort sind die Beelitz-Heilstätten, gedreht wurde allerdings in der einstigen Lungenklinik Grabowsee – einen schaurigen Eindruck hinterlässt, bleibt die Spannung immer wieder auf der Strecke, da der Film regelmäßig Genreklischees bedient und den Zuschauer mit seinen Schockeffekten nur selten überraschen kann. Optisch erlaubt sich der Regisseur einige nette Spielereien, die den Videolook stellenweise aufbrechen. Etwa dann, wenn er seine Figuren durch einen Wärmebildkamera blicken lässt. Angesichts des eher sparsamen Nervenkitzels der ersten Stunde verblüfft „Heilstätten“ auf der Zielgeraden mit gesteigerter Intensität und einem bösen Twist, der das Interesse am Geschehen ein wenig ankurbeln kann. Wie zuvor geht Pate hier meistens mit dem Holzhammer zu Werke, um thematischen Akzente zu setzen, schafft es aber gerade deshalb, dass man das markante Ende nicht sofort wieder vergisst.

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