Gut gegen Nordwind

Länge:
122 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
12.09.2019
Regie:
Vanessa Jopp
Darsteller:
Alexander Fehling (Leo Leike), Nora Tschirner (Emma Rothner), Ulrich Thomsen (Bernhard), Claudia Eisinger (Marlene)
Genre:
Literaturverfilmung , Love Story
Land:
Deutschland, 2019

Linguistik-Dozent Leo Leike kennt das schon: Emma Rothners Mail an das Like-Magazin ist bereits die dritte Abbestellung, die bei ihm landet. Also antwortet er nicht darauf. Auf die zweite Mail reagiert er dann: teilt ihr mit, dass sie bei ihm falsch ist und hofft, damit sei das Thema erledigt. Denn er hat gerade Stress mit seiner Freundin Marlene und deshalb komplett andere Sorgen. Eine Weile ist Ruhe, dann kommt zu einem wirklich ungünstigen Zeitpunkt ein lapidarer Weihnachtsgruß von Emma Rothner, der ihn auf die Palme bringt. Er schreibt pampig zurück, sie reagiert ähnlich spitz und in kürzester Zeit entsteht eine sprachliche Plänkelei, die ihn von seinen Problemen mit Marlene ablenkt. Die Mailkorrespondenz, die daraufhin entsteht ist bald fester Bestandteil ihrer Leben, genau wie ihre Verabredung, nichts und nirgends etwas übereinander zu recherchieren. Diese halten sie strikt ein, doch was sie freiwillig preisgeben, schafft trotzdem Nähe. Auch wenn Emma nach eigener Aussage glücklich mit Bernhard verheiratet ist und Leo noch immer an Marlene hängt.


Daniel Glattauer verfasste die spannende Mailromanze 2006 in ungewöhnlicher Form: Die hin- und hergehenden Mails sind auch für den Lesenden die einzige Information über die Figuren. Genau wie das jeweilige Gegenüber der digitalen Post entschlüsselt sich der andere Mensch nach und nach aus dem, was er berichtet. Das ist faszinierend, denn die Fantasien, die dabei im Kopf des Empfängers entstehen, entstehen auch im Kopf der Lesenden. Sprache, Sprachwitz, Sprachgewandtheit und dazugehörige Feinheiten der Ausdrucksweise tragen dabei wesentlich zum Lesegenuss bei. Wie kann man das verfilmen?


Regisseurin Vanessa Jopp und ihre Hauptdarsteller Alexander Fehling und Nora Tschirner, die auch als Produzentin mit im Boot ist, gelingt es, das Umfeld der beiden Protagonisten so unspektakulär zu gestalten, dass tatsächlich die Mailkorrespondenz im Zentrum bleibt. Nora Tschirner, sonst immer ein Garant für freches Auftreten und komödiantische Plänkeleien, nimmt sich in diesem Film in dieser Hinsicht höchst angenehm zurück und macht dadurch aus ihrer Emma eine äußerst glaubwürdige Persönlichkeit. Es dauert allerdings, bis man sie zu Gesicht bekommt, denn der Film bleibt lange Zeit ausschließlich bei Leo Leike, um auch für den Zuschauer das Geheimnisvolle des Gegenübers wenigstens für eine Weile zu bewahren. Eine Lösung, die durch die zurückhaltende Bildgestaltung geschickt unterstützt wird. Auch Musik, Farben, Raumgestaltung fügen sich wunderbar in diese Atmosphäre des „Unbekannten“ ein. Die Welten von Leo und Emmi, wie er sie nennt, öffnen nach und nach die Türen und halten so auch für den Zuschauenden immer wieder Überraschungen bereit. Eng an den Figuren erzählt der Film von ihrer digitalen Romanze auf humor- und liebevolle Art. Am Ende wünscht man sich, dass auch der Folgeroman „Alle sieben Wellen“ schon bald seinen Weg auf die Leinwand findet.

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