Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

Länge:
100 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
14.11.2019
Regie:
Teona Strugar Mitevska
Darsteller:
Zorica Nusheva (Petrunya), Labina Mitevska (Slavica), Suad Begovski (Pfarrer), Violeta Shapkovska (Journalistin Vasca), Xhevdet Jasari (Kameramann Boycan), Simeon Moni Damevsk (Chief Inspector Milan), Stefan Vujisic (junger Polizist) u. a.
Genre:
Drama
Land:
Mazedonien, Belgien, Frankreich, 2019

In den Augen ihrer Mutter ist Petrunyas Leben eine Katastrophe: studierte Historikerin, mit 33 unverheiratet und zu allem Überfluss auch noch arbeitslos. Also kommt immer wieder die Drängelei zum Vorstellungsgespräch – mit „Zieh dir etwas Hübsches an“ und „Sag ihm, du bist 25“. Doch selbst wenn Petrunya auf sie hört, so hilft es doch eh nichts. Denn für den potenziellen neuen Chef ist sie selbst für eine übergriffige Nummer am Arbeitsplatz zu hässlich und er kann auch sonst nichts mit ihr anfangen. Also macht sich Petrunya frustriert auf den Heimweg und bringt mit einer Kurzschluss-Aktion das gesamte Stadtleben durcheinander: Während einer heiligen Zeremonie, bei der ein Haufen Männer einem glückverheißenden Kreuz nachjagt, das vom Pfarrer in den Fluss geworfen wird, springt sie plötzlich hinterher und schnappt sich die heiß begehrte Trophäe. Und weil Frauen hier eigentlich nicht teilnehmen dürfen und Petrunya sich weigert, das Kreuz wieder herzugeben, ist natürlich sofort der Teufel los. Schließlich landet sie gar im Verhörraum der Polizei, während ein wütender Mob von Männern vor dem Tor steht und die Presse nach Neuigkeiten giert.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass wir im Jahr 2019 annähernd so etwas wie Gleichberechtigung haben sollten – „Es gibt einen Gott, ihr Name ist Petrunya“ macht nur allzu deutlich, dass wir an vielen Stellen unserer Welt noch weit davon entfernt sind. Auf geschickte Weise stellt Regisseurin Teona Strugar Mitevska das Patriachart an den Pranger – das sich mit solch einer Verbissenheit an die Einhaltung der Traditionen klammert, dass die Situation immer absurder wird. So entsteht aus dem Nichts ein riesiger Skandal, während die Situation vermutlich leicht zu entschärfen gewesen wäre. Nur unternimmt niemand auch nur den kleinsten Versuch, einmal wirklich auf Augenhöhe mit der vermeintlichen Revolutionärin zu sprechen und zumindest ein bisschen Verständnis zu zeigen.

Auch wenn der Film in Mazedonien spielt und in erster Linie die dortigen Probleme wie auch die massive Arbeitslosigkeit deutlich macht, so gibt er doch gute Gründe, sich ebenso an die eigene Nase zu fassen. Wie wir mit anderen umgehen und ob wir wirklich vernünftige Entscheidungen treffen und fortschrittlich denken. Oder vielleicht doch noch stark im Alten verhaftet sind. Hier ist vieles direkt aus dem Leben gegriffen: Wie Menschen andere Menschen niedermachen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein – als überlegenes Geschlecht, als Obrigkeit und selbst als eigentlich liebende Eltern. Ebenfalls ein altbekanntes Problem, das leider nicht an Aktualität verliert. Umso wichtiger, sich immer wieder darüber bewusst zu werden.

„Es gibt einen Gott, ihr Name ist Petrunya“ ist beileibe keine leichte Unterhaltung und verlangt dem Zuschauer einiges ab. Doch es lohnt sich allemal, sich die Zeit dafür zu nehmen.

Marius Hanke

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