Golden Twenties

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
91 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
29.08.2019
Regie:
Sophie Kluge
Darsteller:
Henriette Confurius (Ava), Max Krause (Jonas), Inga Busch (Mavie), Franziska Machens (Franzi), Hanna Hilsdorf (Lulu), Anton von Lucke (Rufus), Reinout Scholten van Aschat (Freund von Avas Mutter), Nicolas Wackerbarth (Theaterregisseur) u. a.
Genre:
Drama , Großstadtfilm
Land:
Deutschland, 2019

Die 25-jährige Ava hat gerade ihr Studium beendet. Sehr selbstbewusst und zugleich stark in sich gekehrt weiß sie nicht so recht, wie es nun weitergehen soll. Vorerst zieht sie zurück zu ihrer Mutter nach Berlin, die darüber alles andere als erfreut ist, zumal sie gerade einen neuen Freund hat, der nicht viel älter als ihre Tochter ist. Von Avas ehemaligem Freundeskreis ist nicht viel übrig geblieben. Und bei ihrem ersten Bewerbungsgespräch blitzt sie gleich ab, da sie noch keine Berufserfahrung habe und eine Praktikumsstelle nur an Studierende vergeben werde. Auf Vermittlung eines Bekannten der Mutter kommt sie schließlich als Hospitantin in einer freien Theaterproduktion unter, die durch die aufbrechenden Konflikte zwischen den Schauspielern und dem egozentrischen Regisseur zum Scheitern verurteilt ist. Immerhin verliebt sich Ava in Jonas, einen der Schauspieler, der Avas Gefühle jedoch ausnutzt und offenbar nicht wirklich an ihr interessiert ist. So wird das Gefühl, völlig in der Luft zu hängen, zum bestimmenden Lebensgefühl von Ava, auch wenn sie sich dabei nicht unterkriegen lässt und bereit ist, weiter für ihre Zukunft zu kämpfen.

Der Regisseurin Sophie Kluge ist es in ihrem Spielfilmdebüt gelungen, die Stimmungen von Mitzwanzigern einfühlsam und prägnant auf die Leinwand zu bringen. Henriette Confurius (Nebel im August, Die geliebten Schwestern) in der Rolle von Ava trägt mit ihrem von der Kamera exzellent eingefangenem ausdrucksstarken wie minimalistischen Minenspiel wesentlich dazu bei, diese Rolle glaubhaft zu vermitteln. Mühelos gelingt es ihr, Empathie und Sympathie für diese Figur hervorzurufen, ohne in bedeutungsschwere Dialoge flüchten zu müssen, wobei auch die Nebenrollen für Humor und Überraschungen sorgen. Jugendliche etwa in Avas Alter werden vermutlich gar nicht erst auf die Idee kommen die Golden Twenties mit den Goldenen Jahren der Weimarer Republik zu verwechseln, sondern gleich ahnen, dass mit dem ironisch gemeinten Filmtitel nur diese schwierige Übergangszeit gemeint sein kann, in der man beruflich Fuß fassen und langfristige Perspektiven für die Zukunft entwickeln möchte, aber die familiäre und gesellschaftliche Realität dem manchmal entgegensteht. Der egomanische hohle Theaterbetrieb, der hier wenig schmeichelhaft unter die Lupe genommen wird, mag zwar ein sehr spezielles Milieu sein, die Grunderfahrungen, die Ava auf ihren Schritten in die Welt der Erwachsenen und Etablierten macht, dagegen nicht. Ein starker Film mit einer glaubwürdigen Frauenfigur, allein schon wegen der Hauptdarstellerin.

ht

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