Glück ist was für Weicheier

Prädikat wertvoll
Länge:
95 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
07.02.2019
Regie:
Anca Miruna Lazarescu
Darsteller:
Ella Frey (Jessica Gabriel), Martin Wuttke (Stefan Gabriel), Emilia Bernsdorf (Sabrina Gabriel), Christian Friedel (Dr. Wolfgang Teuter), Tina Ruland (Melanie Kranz), Stephan Grossmann (Horst Kranz), Sophie Rois (Frau Gems) u. a.
Genre:
Tragikomödie , Jugend
Land:
Deutschland, 2018

Das Leben scheint es mit der 12-jährigen Jessica nicht besonders gut zu meinen. Ihre Mutter lebt nicht mehr, der als Bademeister tätige Vater versucht seine Trauer als Sterbebegleiter für andere Menschen zu bewältigen und ihre geliebte ältere Schwester Sabrina ist schwer erkrankt und wird wohl auch bald sterben. In der Schule hat die Außenseiterin, die wegen ihres burschikosen Verhaltens oft als Junge verwechselt wird, keinen leichten Stand, zumal sie unter seltsamen Ticks leidet und sich auch noch anhören muss, es wäre eine Verschwendung, dass nicht sie, sondern ihre schöne Schwester bald sterben müsse. Trotz aller verbalen und physischen Anfeindungen lässt sich Jessica nicht unterkriegen. Als ihr dann aber doch einmal der Kragen platzt und sie gegen einen Mitschüler handgreiflich wird, soll sie zum Psychologen. Der gibt ihr immerhin einige Tipps, wie sie ihre Ticks in den Griff bekommen kann. Viel wichtiger allerdings ist ein Buch, das Jessica zufällig entdeckt und in dem behauptet wird, eine Krankheit könne durch Beischlaf auf eine andere Person überspringen. In der Hoffnung, dass sie auf diese Weise ihre dahinsiechende Schwester retten kann, setzt Jessica nun alles daran, ein „geeignetes“ Opfer für diesen Sexualakt zu finden. So einfach, wie sie sich das gedacht hatte, ist die Sache allerdings nicht.

Die in Rumänien geborene und im Alter von 11 Jahren nach Deutschland übergesiedelte Absolventin der Münchner Filmhochschule gab mit „Die Reise mit Vater“ (2016) ihr vielbeachtetes Langfilmdebüt. Mit ihrem zweiten Spielfilm wagt sie sich an das heikle Thema Tod und Trauer vor der Folie einer außergewöhnlichen Coming-of-Age-Geschichte. Wenn ihr die schwierige Gratwanderung zwischen Humor und Tragik weitgehend gelungen ist, liegt das vor allem am überragenden Spiel von Ella Frey, die in der Rolle der Außenseiterin Jessica sehr authentisch wirkt und eine große Leinwandpräsenz entwickelt. Ihre tragikomische Achterbahnfahrt auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, wobei natürlich auch die Liebe einen wichtigen Part einnimmt, bildet den roten und nie verlorenen Faden des Films. Selbst dann, wenn insbesondere der Vater mehrfach in eigenständigen Episoden in den Fokus rückt. Den schrägen Humor, der für zahlreiche Überraschungen sorgt und sich bereits im Filmtitel andeutet, muss man allerdings mögen. Etwa wenn der Vater als Sterbebegleiter im Krankenhaus viel zu spät bemerkt, dass der Patient längst entschlafen ist, oder eine Spritztour mit dem neuen Auto des Nachbarn zumindest für einen kapitalen Hirsch in einer Katastrophe endet.

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