Für Sama

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
100 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
18.06.2020
Regie:
Waad al-Kateab, Edward Watts
Darsteller:
/
Genre:
Dokumentation
Land:
Großbritannien, 2020

„Wir hätten nie gedacht, dass die Welt das zulassen würde“, sagt die syrische Filmemacherin Waad al-Kateab. In ihrem außergewöhnlichen Dokumentarfilm schildert sie die Ereignisse in Syrien von der friedlichen Revolution 2011 bis zur Hölle des Krieges des Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung in den von Rebellen kontrollierten Gebieten. In Form eines Briefes, in der die Journalistin der kleinen Tochter Sama Rechenschaft darüber abgibt, warum sie und ihr Mann im Kriegsgebiet bleiben, berichtet sie aus einer radikal persönlichen Perspektive über die unmenschlichen Zustände in ihrer Heimatstadt Aleppo.

Alles begann mit einer ganz großen Hoffnung, als junge Studenten gegen die Verkrustungen des Regimes auf die Straße gingen. Waad griff zur Handykamera um die euphorische Aufruchstimmung im Zuge des arabischen Frühlings zu dokumentieren und wurde so zur Bürgerjournalistin. Als sich der Konflikt verschärfte und der Luftkrieg gegen Aleppo begann, beschloss sie zu bleiben und der Welt weiterhin Informationen zu liefern. Sie verliebte sich in den jungen Arzt Hamza. Das junge Paar heiratete inmitten der Bombardierungen, beschloss ganz bewusst ein Kind zu bekommen. Es war eine Entscheidung des Überlebenswillens, nicht aufzugeben und dem Irrsinn des Krieges etwas entgegen zu setzen. So versucht das Paar ein wenig Normalität aufrecht zu erhalten, während um sie herum die Zivilbevölkerung von der eigenen Regierung bekämpft wird, Krankenhäuser gezielt bombardiert werden und die Welt dabei zusieht. Ehemann Hamza sagt an einer Stelle, sein einziges Verbrechen sei es, Arzt zu sein. Die Protagonisten sind innerlich zerrissen zwischen der Frage, zu bleiben und den Menschen zu helfen, oder ins Exil zu gehen aus Verantwortung ihrer kleinen Tochter gegenüber. Sama weint bei keinem Luftalarm, es bricht der Mutter das Herz, dass diese Welt für die Tochter normal sein soll.

Streckenweise ist das Material zutiefst verstörend, wenn schwer verletzte Kinder eingeliefert werden, sterben, wenn das kleine Krankenhausteam immer am Rand der totalen Erschöpfung das Blut vom Boden wischt, weiter arbeitet. Und doch erzählt der Film vor allem von der Kraft der Menschen und zeigt eine kleine intakte Gemeinschaft, dokumentiert Solidarität, Humor und Verantwortungsbewusstsein. Auf abenteuerliche Art gelingt der jungen Familie schließlich die Flucht, aber der Kampf im Ausland geht weiter. Verstörend auch die Szenen vor dem Brandenburger Tor, als schwer traumatisierte Syrer eine kleinen Protestzug anführen und von Neonazis niedergeschrieen werden. Bereits im Januar 2016 begann Waad al-Kateab das Material an „Channel 4“ zu schicken. Die Berichte über den Konflikt in Syrien und die humanitäre Katastrophe mit dem Titel „Inside Aleppo“ wurden zum Medienphänom und gewannen etliche Auszeichnungen, darunter den Internationalen Emmy 2016 für bahnbrechende Berichterstattung. Gemeinsam mit dem britischen Dokumentarfilmregisseur Edward Watts sichtete Waad al-Kateab im Exil die rund 500 Stunden Videomaterial und schaffte daraus das zutiefst beeindruckende Kriegsdokument, das in diesem Jahr für den Oscar nominiert wurde und weltweit zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Bei aller Härte des Materials vermittelt der Film Mut, Hoffnung und den Wert von Zusammenhalt und Menschlichkeit.

Christiane Radeke

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FilmverleihFilmperlen