Europe, She Loves (OmU) (2014)

Länge:
96 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Regie:
Jan Gassmann
Darsteller:
Genre:
Dokumentation
Land:
Schweiz, Deutschland, 2014

Veronika in Tallinn arbeitet als Gogo Tänzerin in einem Techno Club, um die Patchwork Familie über Wasser zu halten. Sie hofft, dass Harri besser mit ihrem kleinen Sohn aus der vorherigen Beziehung klar kommt. In Sevilla macht Karo anstrengende Service Jobs und wartet auf die Bestätigung zur Weiterbildung. Weil Juan antriebslos ist und Karo woanders ein neues Leben beginnen will, gibt es immer wieder Streit. Siobhan und Terry in Dublin sind tief miteinander verbunden, aber gleiten immer wieder in harte Drogen ab. Ihr Beziehung ist ohne den Drogenkick nicht dasselbe, trotzdem klammern sie sich aneinander. Penny will Thessaloniki verlassen und in Italien ihr Glück versuchen, aber der ältere Niko, der als Pizzafahrer jobbt, hängt wie ein Klotz an ihrem Bein. Vier Paare aus vier Städten an den Rändern Europas. Vier Geschichten über zerbrochene Träume, über den widrigen Alltag, Kinder, Liebe und Sex. In einer episodenhaften und assoziativen Collage dringt der eigenwillige Dokumentarfilm bis in die intimsten Momente ein, ohne jemals Distanz oder Respekt zu verlieren. Ob Marihuana als tägliches Ritual in Thessaloniki und Sevilla, Crackrückfall und traurige Songs in Dublin oder eine erschöpfte Mutter in Estland, die ihren Körper zur Schau stellt, aber im Bett mit dem Liebsten keine Zeit für Sex hat, weil der Alltag ihr so viel abfordert. Alles hängt irgendwie miteinander zusammen in diesem fragilen Gebilde Europa.

Der junge Schweizer Filmemacher Jan Gassmann spiegelt seine Generation der 20 bis 30-Jährigen in Zeiten der Krise. An den Anfang stellt er die optimistische Verkündung der europäischen Zukunft durch das Europaparlament: Europa wird das, was wir daraus machen. Anders sieht es an der Peripherie aus, an der die Menschen mit den Folgen dieser Politik und einem entfesselten Kapitalismus leben müssen, oft in prekären und aussichtslosen Verhältnissen. Hat diese Generation wirklich die Chance zu sein, wer sie sein will? Gassmann und sein Kameramann Ramon Giger finden für diese Fragen starke Bilder und wahrhaftige Momente. Im September 2013 machte sich der Regisseur mit einem kleinen Team von vier Leuten auf die Reise nach der Suche nach Geschichten aus unbekannten und visuell unverbrauchten Orten. Nach 20.000 Kilometern und unnennbar vielen Stunden Material filterte er diese vier Episoden, verwob sie miteinander und fügte Impressionen von Landschaften, Industrieanlagen, dem Meer ein, immer in einer gleitenden Bewegung, hin und her. Die Bilder sprechen von Rastlosigkeit und Orientierungslosigkeit, aber auch von Schönheit und Sehnsucht. Dazu werden Nachrichtenfetzen eingespielt, Lampedusa, Ertrunkene, Extremismus, Arbeitslosigkeit, Korruption. Vor diesem emotionalen und assoziatiativen Panorama entfalten sich die Paarbeziehungen. Jenseits von Voyeurismus wird der Zuschauer zum Verbündeten. Das Persönliche ist politisch, das Private lässt sich in dieser Zeit nicht von den sozialen und politischen Umwälzungen ablösen. In brüchigen Zeiten ist die Liebe der Fluchtort, und auch die Hoffnung. An einer Stelle sagt Juan „es sind 20 Schritte von Hass zu Liebe, aber nur einer von Liebe zu Hass.“ Er meint es in Bezug auf seine Beziehung, es lässt sich aber auch als Sinnbild auf die Gefahren eines auseinanderfallenden Europas verstehen. Ein ungewöhnlicher, zärtlicher und melancholischer Film über das Lebensgefühl einer Generation, der aktueller nicht sein könnte.

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

DVD-Bildformat: 1:1,85/16:9

Ton:

Sprachen: Mehrsprachig DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Anbieter

Kauf-DVDLighthouse Home Entertainment

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (7. Woche 2017).

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