Endzeit

Länge:
90 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
22.08.2019
Regie:
Carolina Hellsgard
Darsteller:
Gro Swantje Kohlhof, Maja Lehrer, Trine Dyrholm
Genre:
Abenteuer , Horror
Land:
Deutschland, 2019

Die Prämisse des Films „Endzeit“ ist aus dem zugrunde liegenden Graphic Novel von Olivia Vieweg bekannt: Zombies haben die Erde überrannt und nur in zwei Städten Überlebende übriggelassen, Weimar und Jena, verbunden durch einen einzigen Güterzug. Neben dem Schauplatz Ostdeutschland bringt die Verfilmung von „Endzeit“ noch eine weitere Besonderheit mit sich: Die Produktion liegt in allen wichtigen, künstlerischen Gewerken in weiblichen Händen. Dem vielbespielten Genre gewinnen diese Alleinstellungsmerkmale für gestandene Zombie-Fans leider wenig Neues ab – doch gerade dieses Wenige könnte bei Fans der Vorlage wiederum auf Gefallen stoßen.

In Weimar beginnt die Geschichte von Vivi und Eva, die sich bei Arbeiten am Schutzzaun kennenlernen. Zwei Jahre sind vergangen, seitdem der Virus ausgebrochen ist. Die beiden jungen Frauen sind gezeichnet von traumatischen Erfahrungen. Eva haben sie abgehärtet. Vivi haben sie lebensmüde gemacht. Hoffnung ist rar in diesem Weimar des Zombie-Zeitalters. Selbst Goethe und Schiller wirken, als bronzenes Pärchen vor dem Nationaltheater, einsamer als sonst, mitten auf dem vermüllten Platze. Eines Tages beschließen Viva und Eva in jene andere Stadt abzuhauen, in der es angeblich noch Überlebende gibt: Jena. Anders als der „Train to Busan“ macht der Zug nach Jena auf halber Strecke schlapp – und so müssen sich die ungleichen Heldinnen zu Fuß durchs bewaldete Niemandsland zwischen den Städten schlagen.

Olivia Vieweg hat die Adaption zum Drehbuch selbst vorgenommen. Der Vorteil eines Graphic Novels ist, dass diese Buchgattung für sich genommen schon einen „filmischen“ Charakter hat und als Storyboard zuweilen detailgetreu umgesetzt werden kann, inklusive der wortkargen Dialoge. Auf der Strecke bleibt dabei der markante Zeichenstil Viewegs, die auch für Kinderbücher und Mangas bekannt ist. Kindertauglich ist „Endzeit“ schon als Buch nun wahrlich nicht, obwohl Regisseurin Carolina Hellsgård auf allzu derbe Brutalität à la „The Walking Dead“ in ihrem Film verzichtet. Der Fokus liegt stattdessen auf einem anderen Element, das mit jeder Zombie-Apokalypse einhergeht und oft grob vernachlässigt wird: Die Natur, die sich ihre Welt zurückerobert. Statt einem „Gouverneur“ mit Augenklappe gibt es hier die „Gärtnerin“ mit ähnlich markantem Feature, gespielt von Trine Dyrholm. Mit ihr gewinnt der 90-minütige Film in der zweiten Hälfte einige Szenen, die aus dem Genre-Üblichen (Rückblenden zum Tag 0, präventive Suizide, versteckte Bisswunden ...) ausbrechen. Es kreucht und fleucht in zunehmend von Pflanzen und Tieren bevölkerten Kulissen, die liebevoll ausdekoriert wurden. Im Übrigen verbleibt „Endzeit“ konsequent in der titelgebenden Stimmung und lässt so gut wie keinen Humor zu – eher ein poetischer Überlebenskampf, als unterhaltsames Popcorn-Kino.

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