Ein bisschen bleiben wir noch

Prädikat wertvoll
Länge:
102 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
02.09.2021
Regie:
Arash T. Riahi
Darsteller:
Leopold Pallua (Oskar), Rosa Zant (Lilli), Christine Ostermayer (Erika), Alexandra Maria Nutz (Lehrerin), Markus Zett (Lehrer), Simone Fuith (Ruth)
Genre:
Drama , Literaturverfilmung
Land:
Österreich, 2020

Darum geht es im Film „Ein bisschen bleiben wir noch“:


Bereits vor sechs Jahren sind der 8-jährige Oskar und seine 13-jährige Schwester Lilli gemeinsam mit der Mutter aus Tschetschenien geflüchtet. Inzwischen betrachten die Kinder Wien als ihre neue Heimat und sprechen fließend deutsch. Doch nun soll die Familie abgeschoben werden. Aus Verzweiflung unternimmt die ohnehin schwer traumatisierte Mutter einen Selbstmordversuch und wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Oskar und Lilli werden getrennt und bei verschiedenen Pflegeeltern untergebracht. Während Oskar nun bei Susanne und Josef, einem strengen Lehrerehepaar, wohnt und sich an deren ökologisch-bewussten Lebensweise nur schwer gewöhnen kann, kommt Lilli mit ihrer verständnisvollen Pflegemama Ruth gut zurecht. Ruth behandelt sie wie eine Freundin und versucht, ihr Geborgenheit zu geben und selbst auch bei Lilli zu finden. Trotzdem träumen die Geschwister davon, wieder mit ihrer Mutter zusammenzuleben und gemeinsam nach Südamerika auszuwandern. Dorthin, wo „die Menschen viel netter sind als hier und sogar ihre Kühe massieren“. Heimlich treffen sich die beiden und schmieden Pläne, wie sie ihre Mutter wiedersehen und mit ihr zusammen ein neues Leben beginnen können.


Lohnt sich ein Blick in den Film für mich?


„Ein bisschen bleiben wir noch“ ist der zweite Teil der von Regisseur und Drehbuchautor Arash T. Riahi geplanten „Flucht“-Trilogie, die er 2008 mit dem Spielfilm „Ein Augenblick Freiheit“ begann. In seiner Trilogie und ganz besonders in diesem Film knüpft der im Iran geborene Filmemacher an eigene Erfahrungen an. Er musste als Achtjähriger mit seinen Eltern nach Österreich fliehen und wurde von seinen Geschwistern getrennt, die zunächst bei den Großeltern blieben. „Ein bisschen bleiben wir noch“ basiert zwar auf dem Kinderbuch „Oskar und Lilli“ von der mehrfach ausgezeichneten österreichischen Autorin Monika Helfer, doch während in der Vorlage die Geschwister Oskar und Lilli ihr Zuhause wegen der psychischen Erkrankung ihrer Mutter verlieren, erweitert Arash T. Riahi den Konflikt, indem er seinen Kindern einen Flüchtlingshintergrund gibt. Aus ihrer Perspektive wird eindringlich und bewegend das Auseinanderreißen der Familie geschildert, wie aber auch die Kraft der Kinder, für ihre ureigenen Sehnsüchte und Interessen zu kämpfen. Dabei stellt Arash T. Riahi die Behörden und Pflegeeltern nicht als „die Bösen“ dar. Sie wollen im Grunde genommen nur das Beste für Oskar und Lilli, doch in ihre Entscheidungen werden die beiden Geschwister nicht einbezogen. Aber bei aller Dramatik ist die Grundstimmung im Film eine positive und hoffnungsvolle. Dazu tragen auch die vielen Aufnahmen von kleinen Details sowie das etwas märchenhafte Ende bei. Ob die zahlreichen Smileys, die überall in der Stadt und im Alltag versteckt sind, oder ein leuchtendes Bonbonpapier, das immer mal durch die Luft flattert, dies alles vermittelt Zuversicht und Optimismus.

Barbara Felsmann

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