Dumbo

Prädikat wertvoll
Länge:
112 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 10 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
28.03.2019
Regie:
Tim Burton
Darsteller:
Colin Farrell (Holt Farrier), Danny DeVito (Max Medici), Nico Parker (Milly Farrier), Finley Hobbins (Joe Farrier), Michael Keaton (V. A. Vandevere), Eva Green (Colette Marchant)
Genre:
Familienfilm , Abenteuer , Klassiker , Komödie
Land:
USA, 2019

Die Geschwister Milly und Joe Farrier warten voller Vorfreude auf die Rückkehr ihres Vaters Holt, der vor einiger Zeit in den Krieg gezogen ist. Als sie dem Veteranen auf dem Bahnsteig endlich gegenüberstehen, stellen sie mit Entsetzen fest, dass der frühere Manegen-Star einen Arm verloren hat. Da er seine Reit-Show nicht mehr wie gewohnt präsentieren kann, überträgt ihm der finanziell angeschlagene Zirkusdirektor Max Medici die Verantwortung für die Elefanten. Kümmern muss sich Holt nur wenig später um ein frisch geborenes Dickhäuter-Baby, das wegen seiner überdimensional großen Ohren mit Hohn und Spott überschüttet wird. Bei der ersten öffentlichen Vorführung des kleinen Vierbeiners bekommt dessen Mutter einen Wutanfall und bringt im Chaos das Zirkuszelt zum Einsturz, weshalb Medici das erwachsene Rüsseltier verkauft. Der junge Elefant, den alle nur noch Dumbo nennen, betrauert das Verschwinden seiner Mama. Milly und Joe sprechen ihm jedoch neuen Mut zu und entdecken durch Zufall, dass er seine gigantischen Ohren zum Fliegen nutzen kann. Dank seiner ungewöhnlichen Gabe wird aus dem Verlachten rasch ein neuer Zirkusstar, der auch den windigen Freizeitpark-Visionär V. A. Vandevere auf den Plan ruft.

Seit jeher gehört Tim Burtons Herz den Exzentrikern und Außenseitern. Den Figuren, die am Rande stehen, die belächelt werden, denen die Umwelt übel mitspielt, die aber gerade durch ihre außergewöhnlichen Eigenschaften zu liebenswerten Individuen werden. Im Wissen um sein Leinwandschaffen, das von „Edward mit den Scherenhänden“ über „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bis zu Die Insel der besonderen Kinder reicht, ist verständlich, warum sich der Regisseur für eine Realfilm-Neuauflage des Animationsklassikers „Dumbo, der fliegende Elefant“ interessierte. Auch hier steht ein Titelheld im Zentrum, der Ausgrenzung erfährt und später als Unterhaltungsobjekt missbraucht wird. Schon bei seinem ersten Auftritt gewinnt der niedliche, wie alle anderen Tiere am Computer entstandene Dickhäuter die Sympathien des Publikums. Im weiteren Verlauf versäumt es das von Ehren Kruger („Ghost in the Shell“) verfasste Drehbuch aber ein ums andere Mal, das Profil des Vierbeiners zu schärfen und seine innere Reise mit starken Emotionen aufzuladen. Sicher leidet man mit Dumbo mit, drückt ihm die Daumen, dass er seine Mutter wiederfinden und dem harten Showgeschäft entkommen möge. Vollauf herzerwärmend ist sein Schicksal allerdings nicht, da die Erkenntnisse der Figuren und die Handlungsschritte meistens etwas zu mechanisch wirken. Besonders nach dem plötzlichen Auftauchen des hinterlistigen Kapitalisten Vandevere nimmt die Geschichte einen eher holzschnittartigen Charakter an. Das große, effektgeladene Finale scheint von dramaturgischen Notwendigkeiten bestimmt. Und die abschließende Botschaft kann nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass es die Filmemacher vorher verschlafen, sich ernsthaft kritisch mit der Frage nach der Tierhaltung im Zirkus zu befassen.

Während die recht freie Adaption des Disney-Klassikers erzählerisch ein wenig unausgereift daherkommt, bietet sie reichlich Futter für die Augen. Liebevoll ausgestattete Kulissen mit kräftigem Nostalgie-Anstrich, prächtige Kostüme und schwungvolle Kamerafahrten ziehen den Betrachter unweigerlich in das Geschehen hinein. Spektakulär wird es vor allem in Vandeveres großem Vergnügungspark, in dem die Schwäche des Regisseurs für düstere Momente mehrfach aufblitzt. Bei aller Freude über die opulenten Impressionen und das detailverliebte Szenenbild ist es dennoch schade, dass „Dumbo“ in manchen Passagen den eigenwilligen Charme früherer Burton-Werke vermissen lässt.

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