Drei Gesichter

Länge:
100 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
26.12.2018
Regie:
Jafar Panahi
Darsteller:
Jafar Panahi, Behnaz Jafari, Marziyeh Rezaei u.a.
Genre:
Road-Movie
Land:
Iran, 2018

Es ist bereits der vierte Film nach „Dies ist kein Film“, „Closed Curtain“ und „Taxi Teheran“, den der international bekannte, iranische Regisseur Jafar Panahi mit Hilfe von Freunden heimlich produzierte und ins Ausland schmuggelte. 2010 wurde Jafar Panahi wegen „Propaganda gegen das System“ zu 20 Jahren Berufsverbot verurteilt und darf seitdem den Iran nicht verlassen. Dass er mit solch hochrangigen Preisen, wie dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele in Venedig, der Goldenen Kamera des Festivals in Cannes oder dem Silbernen und Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde, bewegt die Zensoren in seinem Land nicht dazu, das Berufsverbot zurückzunehmen. Immerhin aber erreicht der Druck der internationalen Öffentlichkeit, dass der kritische Filmemacher von Verhaftungen verschont bleibt und seine geheime Filmarbeit geduldet wird. So traute sich Panahi bei seinem neuen Film erstmalig wieder im Abspann alle Mitwirkenden zu erwähnen.

Ähnlich wie „Taxi Teheran“ ist auch „Drei Gesichter“ ein Roadmovie, in dem der Regisseur selbst am Steuer seines Autos sitzt. Diesmal führt ihn die Reise in den Nordwesten, dem türkischsprachigen Teil des Iran. Grund ist eine verzweifelte Videobotschaft der jungen Marziyeh an den iranischen Film- und TV-Star Behnaz Jafari. Marziyeh lebt auf dem Land und möchte unbedingt Schauspielerin werden. Die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule in Teheran hat sie bereits bestanden, doch der Vater lässt sie nicht gehen. Deshalb bittet sie mit großem Nachdruck und einem vorgetäuschten Selbstmord ihr großes Idol um Hilfe. Tief besorgt begeben sich Jafar Panahi und Behnaz Jafari auf den Weg zu dem Mädchen und seiner Familie. Auf ihrer Reise in den abgeschiedenen Landesteil in den Bergen begegnen sie einfachen Bauern, die an ihrer traditionellen Lebensweise festhalten und auch sehr wohl wissen, was sie Fremden gegenüber erzählen und was sie geheim halten. So gestaltet sich die Suche nach Marziyeh komplizierter als gedacht.

In „Drei Gesichter“ setzt sich Jafar Panahi auf eine warmherzige und trotzdem sehr kritische Weise mit überholten Traditionen, mit Aberglauben und dem patriarchalischen Denken seiner Landsleute auseinander. Eingebettet in eine faszinierende Landschaft, zu der eine schmale, unbefestigte Straße führt, werden hier Menschen porträtiert, die einerseits durch ihre klare, einfache Lebensweise faszinieren, andererseits aber auch durch ihre engen, an alten, undemokratischen Strukturen festhaltenden Vorstellungen erschrecken. Dieser Ebene fügt Panahi eine weitere hinzu: Die drei Gesichter beziehen sich auf drei Generationen von Schauspielerinnen, die jede auf ihre Weise mit Respektlosigkeit konfrontiert wurde. Da ist der Star des iranischen Mainstream-Kinos der vorrevolutionären Ära, Shahrzad, der im Film abgeschieden und verarmt in den Bergen lebt und nur als Schatten zu sehen ist. Behnaz Jafari als erfolgreiche Schauspielerin gehört zur mittleren Generation, während die junge Marziyeh mit ihrer Rigorosität für das Zukünftige steht. Diese Vielschichtigkeit, die oftmals in Metaphern ausgedrückt wird, der heitere Erzählton sowie die intensiven Bilder machen auch dieses neue Roadmovie von Jafar Panahi zu einem kleinen Kunstwerk, das noch lange in Erinnerung bleibt.

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