Dinner in America - A Punk Love Story

Länge:
108 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Regie:
Adam Rehmeier
Darsteller:
Kyle Gallner (Simon), Emily Skeggs (Patty), Griffin Gluck (Kevin), Mars Ago (Sissy), Hannah Marks (Beth)
Genre:
Komödie , Love Story
Land:
USA, 2020

Einer dieser finsteren Vororte, irgendwo in den Weiten des Mittleren Westen. Und da ist dieses ungleiche Paar, das sich gegen die engstirnige und verdammt spießige Außenwelt behauptet. Filmemacher Adam Rehmeier weiß, wovon er spricht. In den 1990ern hat er sich in der Kleinstadt ebenso verloren gefühlt. Sein liebevoller Independent-Film kommt wohl nicht zuletzt auch deshalb im Retrolook daher und kann als eine Hommage an die grellbunt überzeichneten Filme der 1990er gelesen werden. „Dinner in America“ lief weltweit erfolgreich auf kleineren Festivals und konnte u.a. auch einen Publikumspreis gewinnen.


Darum geht es in „Dinner in America“:


Simon verdingt sich als kleiner Dealer oder wahlweise Arzneimittel-Proband. Er steckt gerne Sachen in Brand, wenn er die Verlogenheit der Umwelt entlarvt. Außerdem hat er ein Aggressionsproblem und ist der anonyme Leadsänger der erfolglosen Punkrockband „Psyops“. Auf der Bühne von schäbigen Klubs tritt er als John Q mit schwarzer Autonomenmaske auf und brüllt seine Wut im Song „Dinner in America“ heraus. Rebellion ist für ihn der einzige Weg der Monotonie und dem Kleingeist der Vororte zu begegnen. Patty ist nicht die Schnellste im Kopf, sie ist naiv, gutgläubig und offenherzig. Sie entspricht nicht der Norm, deshalb bekommt Patty eine Reihe von Tabletten. Die 20-Jährige jobbt in einer Zoohandlung und wird tagein tagaus von Mitschüler*innen gemobbt. Sie weiß nicht, wie sie sich dagegen wehren soll und steckt einfach ein. Außerdem liebt sie die Punkrockband „Psyops“ und schreibt dem geheimnisvollen John Q Liebesbriefe. Naja, eigentlich sind es eher ziemlich ungewöhnliche Gedichte. Und Fotos von ihrer Selbstbefriedigung, die sie mit ihrer Polaroid Kamera aufgenommen hat, sind auch dabei. Denn so einfältig Patty wirkt, sie ist ein Freigeist, sie gibt nichts auf die Meinung anderer, ein echter Punk, wie Simon später feststellt.

Wie die beiden sich kennenlernen? Purer Zufall. Als Simon mal wieder vor der örtlichen Polizei fliehen muss, trifft er auf Patty. Die nimmt ihn kurzerhand mit nach Hause, ohne zu wissen, dass der Typ mit Punkfrisur ihr heimlich Angebeteter ist. Es wird gegessen mit Eltern, die selbst völlig orientierungslos scheinen, aber Hauptsache die Fassade bleibt gewahrt.


Lohnt sich der Film für dich?


Die einfache und geradlinige Story um zwei Individualisten auf der Verliererseite des Lebens erzählt mit besonderen Mitteln. Alles wirkt „bigger than life“, ein treibender Rhythmus liegt unter der Geschichte, Simon bewegt sich wie ein lauerndes, wildes Tier durch die Weite der amerikanischen Vororte. Dabei ist er eigentlich ganz weich innerlich. Seine wohlhabende Familie behandelt ihn wie einen Aussätzigen, und er verdrückt Tränen, als Patty zum ersten Mal eines ihrer Liebesgedichte singt: „Fuck them all but us“.

Bemerkenswert an der Komödie ist neben den beiden überzeugenden Hauptdarsteller*innen auch der Look: Gedreht wurde auf analogem Filmmaterial, Pattys schräg-kindlichen Kostüme in grellen Farben kontrastieren die Langeweile der Provinz und verdeutlichen ihren widerständigen Kern. Gerade weil sie so naiv ist, lässt sie sich nicht verbiegen. Simon und Patty lernen voneinander: sich wehren und sich liebenswert fühlen.

DVD Extras: zwei ausführliche Q & As von Festivals mit Regisseur, Kameramann, Produzent und Hauptdarstellern

Christiane Radeke

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (11. Woche 2022).