Die Welt wird eine andere sein

Länge:
119 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
12.08.2021
Regie:
Anne Zohra Berrached
Darsteller:
Canan Kir (Asli), Roger Azar (Saeed), Özay Fecht (Zeynep), Jana Julia Roth (Jacqui), Ceci Chuh (Julia)
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, Frankreich , 2021

Darum geht es im Film „Die Welt wird eine andere sein“:


Mitte der 1990er Jahre verlieben sich die junge deutsch-türkische Medizinstudentin Asli und der libanesische Zahnmedizinstudent Saaed in Rostock. Aslis strenggläubige türkische Mutter lehnt ihn ab, weil er Araber ist. Dennoch heiraten beide heimlich nach muslimischem Brauch. Dabei versprechen sie sich, ihre Geheimnisse zu bewahren. Doch dann befasst sich Saaed mit extremen islamischen Ideen und radikalisiert sich. Obwohl er Geheimnisse vor ihr hat, unterstützt Asli ihn, als er nach Hamburg zieht, um Flugzeugbau zu studieren. Die Ehe gerät in eine Schieflage, als er ohne Erklärung in den Jemen reist und Wochen später mit schlimmen Narben zurückkehrt. Trotz der quälenden Ungewissheit über seine Aktivitäten hält sie an der Beziehung fest. Auch dann, als er in Florida eine Pilotenausbildung beginnt.


Lohnt sich „Die Welt wird eine andere sein“ für mich?


Schon der Filmtitel und der Abschiedsbrief am Anfang enthüllen frühzeitig, dass das Filmdrama von einer blinden Liebe erzählt, die in eine Katastrophe mündet. Spätestens als eine TV-Aufnahme das brennende Word Trade Center zeigt, ist klar: Aslis Mann Saaed ist einer der Piloten, die am 9. September 2001 die tödlichen Terrorangriffe in den USA verübten. Die Regisseurin Anne Zohra Berrached, Tochter einer Deutschen und eines Algeriers, interessiert sich aber kaum für den politischen Hintergrund der Dschihadisten. Vielmehr konzentriert sie sich auf die verhängnisvolle Geschichte einer liebenden Frau, die nicht erkennen kann oder will, wie die schrittweise Radikalisierung ihres Mannes ihre Ehe vergiftet.

Diesen schleichenden fünfjährigen Prozess schildert die Regisseurin in fünf Kapiteln, die durch Schwarzblenden getrennt sind. Dabei nimmt sie durchweg Aslis Sichtweise ein, die als Liebende immer stärker in eine passive Rolle gerät. Die deutsch-türkische Schauspielerin Canan Kir spielt diese tragische Figur eindringlich und bewegend. Am Ende bleibt offen, ob Asli nicht wissen will, was ihr Mann plant, oder ob sie vor Liebe blind ist. Und wir stehen vor schwierigen Fragen: Kann ein fanatischer Terrorist wahrhaft lieben? Ist er es wert, geliebt zu werden? Und ist Asli mitschuldig am Massenmord, weil sie die Wahrheit nicht wahrhaben wollte? „Die Welt wird eine andere sein“ gibt darauf keine einfachen Antworten. Manchmal hinterlässt der Film den Eindruck, dass zu viele Fragen offen bleiben. Zum Beispiel, weil wir über die Motive für Saeeds Abdriften in den Extremismus, so gut wie nichts erfahren.

Reinhard Kleber

Anbieter

FilmverleihNeue Visionen