Die Welt von morgen

Serienstart:
20.10.2022
Staffel:
1
Folgen:
6
Länge der Folgen:
47 - 52 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Regie:
Katell Quillévéré
Darsteller:
Anthony Bajon (Bruno/ Kool Shen), Melvin Boomer (Didier/Joeystarr), Andranic Manet (Daniel/Dee Nasty), Léo Chalié (Béatrice), Laïka Blanc-Francard (Vivi/Lady V)
Genre:
Jugend , Drama , Musikfilm
Land:
Frankreich, 2022

Das erwartet dich in „Die Welt von morgen“:


Um eines gleich klarzustellen: Es geht hier zwar um die späteren Größen des französischen Rap Kool Shen, Joeystarr und DJ Dee Nasty. Aber „Die Welt von morgen“ ist keine von diesen heldenhaften Aufstiegsgeschichten vom Underdog an die Spitze der Musikindustrie im Hochglanzlook. Erzählt wird von den schwierigen Anfängen in einem Vorort von Paris. Es geht um das Lebensgefühl der damals noch Jugendlichen, um die Bedeutung von Straßenkunst wie Graffiti und Breakdance, um finanzielle und familiäre Probleme, vor allem aber geht es um die Leidenschaft für Musik und Tanz und den Mut, allen Widerständen zum Trotz einem großen Traum zu folgen. Soziale Ausgrenzung, Rassismus und Polizeigewalt sind allgegenwärtig, die Wut kanalisiert sich in Kunst und dem unbedingten Willen, eine eigene Stimme und Ausdrucksform zu finden.

Im Zentrum steht neben Daniels Gehversuchen als DJ die Freundschaft von Bruno (aka Kool Shen) und Didier (aka Joeystarr), die immer wieder von den schwierigen Umständen torpediert wird. Bruno sollte eigentlich Profifußballer werden, ein klassischer Aufstiegstraum, er muss gegen den Widerstand der Eltern angehen. Didier lebt mit dem alleinerziehenden Vater, der ihn verprügelt und runtermacht. Didier rutscht dann auch immer stärker in Drogengeschichten ab, arbeitet als Drogenkurier, letztendlich aber entscheidet er sich immer für die Musik. Seine ungebrochene Lebensfreude ist auch ein beständiger Motor. Als Rap Duo nennen sie sich Sûpreme NTM, die Abkürzung steht für „Fick deine Mutter“. Wut ist eine unaufhörliche Energiequelle, das Aufbegehren gegen Chancenlosigkeit und gegen den Einfluss einer Gesellschaft, die nicht an ihr Potenzial glaubt. Um die Welt von morgen müssen sie kämpfen. Sie machen das auf der Straße, bei illegalen Partys, bei Open-Mikes in einem Piratensender. Als ein Mayorlabel Interesse bekundet, entscheiden sie sich gegen die fette und geschönte Musikproduktion. Das ist nicht ihr Sound, so ist das Leben nicht, es ist rauh und dreckig – so wollen sie auftreten und wahrgenommen werden. Eine Stimme haben, das Wort ergreifen, in der Gesellschaft sichtbar werden, Selbstermächtigung – darum geht es.


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Die späteren Stars der Undergroundszene sind vornehmlich männlich. Enthusiast Daniel alias DJ Dee Nasty holte die Musik der Black Community der USA überhaupt erst nach Frankreich und übernahm das Scratchen der Vinylplatten als Soundgrundlage, Bruno und Didier waren die ersten, die auf französisch rappten. Frauen hatten es in dieser Szene schwer, ihr wichtiger Einfluss kommt aber nicht zu kurz. Die Liebesgeschichte von Béatrice und Daniel nimmt einen großen Raum ein. Béatrice rebelliert gegen ihre chinesischen Eltern, sie unterstützt tatkräftig Daniels mühsamen Gehversuche als DJ, der mit seiner sanften und zurückhaltenden Art eher hilflos wirkt. Mit 11 Jahren wurde Béatrice vergewaltigt, das hat sie geprägt, aber keineswegs gebrochen. Daniel ist warmherzig und mitfühlend, gerade das aber gibt ihm eine treibende Energie, trotz aller Rückschläge und Zweifel. Vivi kann sich zwar als Sprayerin Lady V Respekt verschaffen und Brunos Herz erobern, wird aber später nur als sein Anhängsel wahrgenommen. Ihre Mutter, die einen Bürojob bei einem Musiklabel hat, hat die jungen Künstler auch maßgeblich unterstützt. Am Ende der Serie wird der entscheidende Einfluss dieser Wegbereiterinnen besonders erwähnt.

„Die Welt von morgen“ basiert auf etlichen Zeitzeugenberichten und Archivmaterial der realen Figuren. Die Erzählweise der Serie ist eher ruhig, sie nimmt sich Zeit, die persönlichen Entwicklungen nachzuzeichnen. Alles wirkt authentisch: die Ausstattung, die Besetzung, die Bilder, das Lebensgefühl der späten 80er und frühen 90er Jahre, die Szene. Es geht um die Kraft der Kreativität, den Willen zur Veränderung. Eine Geschichte, die nichts, aber auch gar nichts an Aktualität und Sprengkraft verloren hat.

Die Serie wurde in Frankreich auf dem Festival Series Mania ausgezeichnet.

Christiane Radeke

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

Filmverleih Arte (Deutschland)

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (42. Woche 2022).