Die Moskauer Prozesse

Länge:
86 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Regie:
Milo Rau
Darsteller:
Dokumentarfilm
Genre:
Dokumentation , Politischer Film
Land:
Deutschland, 2013

Der unangemeldete Auftritt der Punk-Aktivistinnen der Gruppe Pussy Riot im Sommer 2012 in der Moskauer Erlöserkathedrale war als Protestauftritt gegen das System Putin gedacht. In einem Schauprozess, der weltweites Aufsehen erregte, wurden zwei der drei Frauen zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Sie sollen die religiösen Gefühle der russischen Bevölkerung verletzt und gegen die russische Nation agitiert haben. Dieser Prozess war der vorläufige Endpunkt einer Reihe von Schauprozessen gegen Künstler und Dissidenten in Russland über zehn Jahre hinweg.

Der Schweizer Regisseur, Theaterautor und Journalist Milo Rau, der inzwischen Einreiseverbot nach Russland hat, stellte für seinen Film diese Prozesse im Moskauer Sacharow-Zentrum als dreitägiges Theaterprojekt nach. Er tat dies nicht etwa nach Aktenlage, sondern anhand der Aussagen und Plädoyers vieler echter Protagonisten dieser Schauprozesse und mit den Urteilen von Geschworenen unterschiedlichster politischer Couleur. Da alle Protagonisten ungehindert ihre Meinung und ihre Überzeugung sowohl auf der Bühne als auch in persönlichen Interviews jenseits der Bühne vertreten konnten, erklärten sich unter anderem der redegewandte Staatsanwalt Maxim Schewtschneko, der Erzpriester Wsewolod Tascplin und der Staatskünstler Alexei Beljaew-Gintowt, der auf offener Bühne der Verteidigerin der Künstler mit Prügeln drohte, zur Mitwirkung bereit. Ein einmaliges Projekt, in dem die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm verwischen und die „Darsteller“ sich ausschließlich selbst spielen, sich rechtfertigen und verteidigen, anklagen und verurteilen. Aber auch ein gewagtes Projekt mit einem Schauprozess über aktuelle Schauprozesse, bei dem nicht vorauszusehen war, wie dieser „Prozess“ ausgehen würde, zumal die Ankläger nicht selten präziser argumentierten und charismatischer wirkten, als die Seite der Verteidiger und einige der Künstler. Die russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln verlangt vom Zuschauer, der sich seine eigene Meinung bilden muss, etwas Vorwissen und vor allem Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Ohne voreilig Partei bezüglich der möglichen Verletzung religiöser Gefühle zu ergreifen, macht der Film deutlich, wie es um die Menschenrechte unter Putin bestellt ist und noch mehr, wie die unheilvolle Allianz zwischen erzkonservativem Klerikalismus und ultrarechtem Gedankengut dort in den Dienst der Politik gestellt wird.

DVD Extras: Interviews, Booklet

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

DVD-Bildformat: 16:9

Ton: Dolby Digital 5.1

Sprachen: Deutsch DD 5.1

Untertitel: Deutsch/Englisch/Französisch

Anbieter

Kauf-DVDRealFiction Filmverleih

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (21. Woche 2015).