Die Magnetischen

Länge:
99 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
28.07.2022
Regie:
Vincent Maël Cardona
Darsteller:
Thimotée Robart (Philippe), Marie Colomb (Marianne), Joseph Olivennes (Jérôme), Fabrice Adde (Francis), Louise Anselme (Nathalie)
Genre:
Drama , Love Story
Land:
Deutschland, Frankreich, 2019

Kleinstadt, Kleinstadt und nochmal Kleinstadt. Ein (un)glücklicher Vorfall sorgt im Film „Die Magnetischen“ schließlich dafür, dass Philippe in den 1980er-Jahren in Westberlin landet. Hier eröffnen sich ihm neue Möglichkeiten, auch in Bezug auf seine große Liebe die Musik. Aber da ist auch noch seine zweite Leidenschaft: Marianne. Und diese ist in der Heimat geblieben ...


Darum geht es in „Die Magnetischen“:


10. Mai 1981: Der Sozialist Francois Mitterand wird französischer Präsident. Im Bistro des Arbeiter- und Handwerkerbezirks einer bretonischen Kleinstadt feiern die Leute ausgelassen. Nur Philippe hält sich zurück. Marianne, die Freundin seines Bruders Jerôme, fragt nach, was mit ihm sei. Etwas trotzig sagt er, dass er Giscard, den konservativen Gegenkandidaten Mitterands, gewählt habe. – Schnell ist klar: Philippe fühlt sich in dem Milieu, in das er hineingeboren wurde, nicht wohl. Anfangs folgt er den linken Traditionen seiner Familie. Der begnadete Tontechniker betreibt mit seinem Bruder Jerôme als Moderator einen subversiven Piratensender. Gleichzeitig sampelt er mit Tonteilen von Magnettonbändern eigene Audiostücke. Und er verweigert wie alle den Wehrdienst. Doch der Militärpsychologe, der ihn begutachtet, trickst ihn aus und durchschaut seine Simulation. Der Abschied fällt Philippe schwer. Nicht nur von Jerôme, der gleichfalls mit seinem Leben hadert, viel trinkt und ständig im Clinch mit seinem Vater liegt, sondern auch von Marianne, mit der er angebandelt hat, obwohl sie eigentlich noch mit seinem Bruder zusammen ist. Doch tatsächlich wird der Wehrdienst, der Philippe nach Westberlin versetzt, für ihn zur Chance. In seiner Freizeit genießt er die Atmosphäre in den Clubs, fährt zu Punk-Bands nach Ostberlin. Doch Marianne fehlt ihm. Zufällig lernt er durch einen französischen Kameraden einen bekannten DJ beim RIAS (Radio im Amerikanischen Sektor) kennen. Der gibt ihm die Möglichkeit, live im RIAS seine Musik zu sampeln. Philippe nutzt die Gelegenheit, um Marianne eine Liebeserklärung über den Äther zu senden. Doch von ihr kommt kein Lebenszeichen. Philippe entschließt sich zu einer Verzweiflungstat, um sie wiederzusehen.


Lohnt sich der Film für dich?


Wer der Atmosphäre, der Musik und den Anfängen von DJ-Samplern in den 1980er-Jahren nachspüren möchte, ist im Film von Vincent Maël Cardon genau richtig. Der Titel „Die Magnetischen“ bezieht sich sowohl auf die magnetische Anziehungskraft in der erzählten Liebesgeschichte zwischen Philippe und Marianne als auch auf die Magnettonbänder, mit denen Philippe seine Audiokunst macht. Cardons Film fängt die Atmosphäre in der französischen Kleinstadt, die Enge, die Langeweile und die für junge Leute teilweise depressive Stimmung, präzise und für die Zeit symptomatisch ein. Viele – nicht nur in Frankreich – verließen und verlassen auch heute die Provinz, um in den Metropolen ihr Glück zu finden. Der Soundtrack mit französischen Chansons, Punk und Iggy-Pop-Hits untermalt den Wechsel der Hauptfigur in die Großstadt Berlin jener Zeit. Die Begegnung mit der speziellen Mischung aus ganz unterschiedlichen Musikstilen in der geteilten Stadt der 1980er Jahre wird für Philippe so bedeutsam, dass er die entscheidenden Weichen für sein Erwachsenwerden stellen und den Herausforderungen im vertrauten Umfeld von Familie und Freunden in der Bretagne auf neue Weise begegnen kann.

Werner Barg

Anbieter

FilmverleihPort au Prince Pictures