Die defekte Katze

Länge:
97 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
04.10.2018
Regie:
Susan Gordanshekan
Darsteller:
Pegah Ferydoni (Mina), Hadi Khanjanpour (Kian), Henrike von Kuick (Sophie), Constantin von Jascharoff (Lars)
Genre:
Drama , Love Story
Land:
Deutschland, 2018

Mina lebt in Isfahan und sucht nach ihrem Studium der Elektrotechnik auf traditionellem Weg einen Mann. Kian arbeitet als Arzt an einer deutschen Klinik und sucht eine feste Beziehung über das Internet. Als ihm das nicht gelingt, wählt auch er den traditionellen Weg und wendet sich an eine Heiratsvermittlerin in Isfahan, woher seine Eltern stammen. Mina und Kian heiraten und sie zieht zu ihm nach Deutschland. Aber Mina und Kian sind sehr unterschiedlich und ihre Bemühungen, aus der Ehe eine gute Beziehung zu machen, scheitern bereits an kleinen Dingen. Als Mina in ihrer Einsamkeit eine Katze mit Gendefekt nach Hause bringt, fühlt sich Kian überrumpelt. Mina wiederum beobachtet vorsichtig, aber aufgeschlossen, die anderen Umgangsformen im fremden Deutschland. Sophie und Lars, Bekannte von Kian, scheinen anders zu leben als sie es kennt. Mina und Kian sind sich durchaus sympathisch und würden sich gern näher kennen lernen. Doch die Anspannung zwischen ihnen überwiegt und entspannte Momente sind selten. Es scheint, als fände Kian alles, was Mina mag, unangenehm oder unangemessen und Mina alles, was Kian wichtig ist, langweilig und uninteressant. Bald wissen beide nicht mehr, wie sie mit ihren Erwartungen und Gefühlen umgehen sollen.

„Die defekte Katze“ ist ein herausragender Schauspielerfilm, der seine anrührende und nachvollziehbare Beziehungsgeschichte mit sehr viel Liebe zum Detail erzählt. In der Handlung geht es nicht um große Gesten, dramatische Ausbrüche oder den Beziehungsgau, sondern um die vielen kleinen Dinge, die in einer Beziehung eine Rolle spielen. Vordergründig sind dies Dinge wie die Farbe des Sofas, die Seite des Bettes, auf der man schläft, die Dinge, die man bei Begegnungen mit anderen sagt, die Fragen, die man stellt und die, die man nicht stellt. Tatsächlich aber stehen hinter einfachen Wünschen tiefere Sehnsüchte und Träume, die sich beide gern erfüllen möchten. Sie hätten gern einen vertrauten Menschen, einen Partner, mit dem sie ihre Empfindungen teilen können. Aber ein solches Vertrauen entsteht nicht, nur weil man es sich wünscht, und die größte Mühe kann vergeblich sein. Susan Gordanshekan inszeniert ihre Beziehungsgeschichte sehr nah an den handelnden Personen. Pegah Ferydoni und Hadi Khanjanpour meistern ihre Rollen dabei großartig. Sie verkörpern die Gefühle der zurückhaltenden, vorsichtigen, annäherungswilligen und gleichzeitig beziehungsängstlichen Hauptfiguren in jeder Sekunde des Films mit großem Einfühlungsvermögen und feiner, zarter Gestik und Mimik. Dadurch schaffen sie eine Nähe zum Zuschauer, die sich untereinander im Film nicht einstellen will. Mit Großaufnahmen unterstützt die Kamera das subtile Spiel, Ausstattung und Kostüme unterstreichen vor allem das atmosphärische Handeln. „Die defekte Katze“ ist zwar ein eher stiller Film, jedoch an keiner Stelle langatmig oder langweilig. Der Zuschauer erhält sehr viel Raum zur Anteilnahme, die zu Verständnis und Mitfiebern führt. Spannung entsteht durch die innere Anspannung der Figuren, die Intensität ihrer Sehnsucht und das gleichzeitig so zurückhaltende Spiel.

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