Die Croods - Alles auf Anfang

Länge:
95 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 10 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
08.07.2021
Regie:
Joel Crawford
Darsteller:
Uwe Ochsenknecht (deutsche Stimme Grug), Janin Ullmann (Eep), Kostja Ullmann (Guy) u. a.
Genre:
Animation , Abenteuer , Action , Komödie
Land:
USA, 2020

Mit „Die Croods“ entführte uns die Animationsschmiede DreamWorks im Jahr 2013 in die Steinzeit. Interessante Themen wie der Mut zur Veränderung und der Klimawandel wurden in der quirligen Abenteuerkomödie rund um die titelgebende Familie angeschnitten, standen aber klar im Schatten zahlreicher slapstickhafter Verwicklungen. Trotz guter Ansätze blieb der optisch einnehmende Film am Ende unter seinen Möglichkeiten. Ein ähnliches Fazit muss man nun auch unter das Sequel „Die Croods – Alles auf Anfang“ setzen, das visuell abermals Kreativität beweist, seine inhaltlichen Ideen allerdings nicht zu einer gut durchdachten, stark bewegenden Geschichte ausfeilt.

Nach dem Einsturz ihrer Höhle und den Abenteuern des ersten Teils sind die Croods noch immer auf der Suche nach einem Plätzchen, an dem sie sich niederlassen können. Vater Grug bereitet jedoch nicht nur dies Kopfzerbrechen. An seinen Nerven zehrt auch die wachsende Liebe zwischen seiner Teenagertochter Eep und dem gewitzten Waisenjungen Guy, der die Sippe im Vorgänger ein ums andere Mal aus brenzligen Situationen retten musste. Die beiden werfen sich ständige Komplimente zu, küssen sich und vergessen andauernd, dass sie nicht allein sind. Grugs größte Sorge, die Familie könnte auseinanderbrechen, wird konkreter, als er ein vertrauliches Gespräch mitbekommt. Guy würde sich gerne von der Gruppe trennen und mit Eep eigene Wege gehen.

Wie es der Zufall will, entdeckt der verärgerte Grug ausgerechnet nach dieser Offenbarung eine geheimnisvolle Mauer, hinter der sich ein kleines Schlaraffenland verbirgt. Eine wunderschöne Welt, in der sich alle Croods problemlos niederlassen könnten. Dummerweise sind sie allerdings nicht die Ersten an diesem Ort. Die Eheleute Bessermann haben die primitive Steinzeitlebensweise hinter sich gelassen, genießen zahlreiche moderne Annehmlichkeiten und belächeln die Besucher*innen für ihre Rückständigkeit. Zu allem Überfluss sind sie auch noch alte Bekannte von Guys Eltern und haben jetzt nur noch ein Ziel im Sinn: Den jungen Mann mit ihrer Tochter Dawn verkuppeln und die Croods so schnell wie möglich wieder loswerden.

Tradition vs. Fortschritt, die Familie als unzertrennliche Gemeinschaft, symbolisiert durch den Schlafhaufen, bei dem alle Mitglieder ineinander verknäult die Nacht verbringen – die Fortsetzung greift zentrale Aspekte des ersten Films auf und erweitert sie um einen klassischen familiären Konflikt. Während Grug das etwas klischeehafte Bild des Vaters bedient, der seine Tochter nicht ziehen lassen möchte, stehen Guy und Eep an der Schwelle zur Erwachsenenwelt. Sie sind an einem Punkt angelangt, an dem sie sich ein selbstständiges Leben vorstellen können. Eben das, aber auch die Spannungen mit den Bessermanns dekliniert „Die Croods – Alles auf Anfang“ etwas zu oberflächlich durch, um Herz oder Hirn längere Zeit anzusprechen. Dass es an einer klaren erzählerischen Vision mangelt, ist spätestens im letzten Akt unübersehbar. Hier macht der Animationsstreifen einen recht beliebigen Schlenker in den düsteren Monsterfilmbereich, zaubert Superheld*innen-Elemente aus dem Hut und bringt seine Figuren arg hastig dazu, frühere Haltungen aufzugeben.

Reizvoll ist, wie schon im Ursprungswerk, die knallbunte, mit vielen schrägen Details gespickte Optik. In fast jeder Einstellung gibt es lustige Dinge zu entdecken – etwa skurrile Fantasiewesen wie das seltsame Flugtier, das Oma Crood getarnt als Perücke auf ihrem Kopf trägt und im Verlauf als Späher einsetzt. Die originelle Einfälle, sie sind da. Unter dem Strich siegt aber oft der einfache Slapstick-Humor über den feinen Witz.

Christopher Diekhaus

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