Deutschstunde

Länge:
125 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
03.10.2019
Regie:
Christian Schwochow
Darsteller:
Ulrich Noethen, Tobias Moretti, Johanna Wokalek, Sonja Richter, Maria Dragus, Tom Gronau, Levi Eisenblätter, Louis Hoffmann
Genre:
Literaturverfilmung
Land:
Deutschland, 2019

Siggi wächst als Sohn des Polizisten von Ragbüll, einem kleinen fiktiven Ort in Nordfriesland, an der Nordseeküste auf. In der Nähe lebt der berühmte Maler Max Ludwig Nansen. Nansens Bilder gelten den Nazis als „entartet“. Sie werden daher verboten und der Maler mit einem Malverbot belegt. Weil er „am nächsten dran ist“, hat Siggis Vater, der Polizist Jens Ole Jepsen, von nun an die Aufgabe, das Malverbot zu überwachen. Einst waren der Maler und der Polizist dicke Freunde. Da der Polizist seine Pflicht aber sehr ernst nimmt, werden aus den Freunden bald erbitterte Feinde. Der Junge, der mit beiden befreundet ist, gerät zwischen die Fronten. Beide wollen ihn auf ihre Seite ziehen. Siggi stellt sich auf die Seite des Malers, beginnt dessen heimlich neu gemalte Bilder vor dem Zugriff seines Vaters zu schützen und zu verstecken. Auch als der Krieg vorüber und die Naziherrschaft beendet ist, bleibt Siggi ein Bilderdieb, bis er schließlich beim Bilderdiebstahl erwischt wird und in einer Jugendstrafanstalt landet.

1968 erschien der Weltbestseller-Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz, welcher von der Zerstörung menschlicher Beziehungen in einer Diktatur erzählt. Präzise, aber mit sarkastischem Humor und beißender Ironie lässt er Siggi Jepsen als Insasse der Jugendstrafanstalt beim Verfassen einer Strafarbeit, eines Aufsatzes zum Thema „Die Freuden der Pflicht“, seine Erlebnisse während der Nazizeit Revue passieren. Genau, detailreich und milieuecht lässt er seinen Erzähler Siggi die Alltagssituationen zwischen den Menschen in der NS-Zeit beschreiben. Und obwohl die Geschichte eine große tragische Emotion in sich trägt, bleibt der Stil des Romans unterhaltsam, bisweilen satirisch bissig. Von all dem bleibt in Christian Schwochows Verfimung nach dem Drehbuch seiner Mutter Heide Schwochow wenig übrig. Die Schwochows machen aus Lenz' Roman ein saures Melodram nach dem Motto: Düstere Zeiten, düstere Bilder. Keine Spur mehr von dem feinsinnigen Humor, der bitter distanzierenden Ironie, mit der Erzähler Siggi in Lenz' Roman von den bösen Zeiten berichtet. Schwere Metaphern, tote Vögel, tote Fische und dunkle Regenwolken, die unheilschwanger über dem Watt hängen, schaffen in der Verfilmung eine bedrohliche Atmosphäre, sollen dem Zuschauer die Absicht der Filmemacher, eine tiefe Tragödie vor grandioser Naturlandschaft inszenieren zu wollen, überdeutlich machen. Ulrich Noethen brilliert als Polizist Jepsen mit einer stereotypen Verkörperung eines autoritären Charakters, der mit der Nazizeit viel, mit unserer Zeit aber nur noch wenig zu tun hat. Drehbuch und Regie schaffen es nicht, den von Lenz beschriebenen autoritären Charakter des deutschen Pflichtmenschen der Nazizeit aus der historischen Dimension herauszunehmen und mit den neurechten Charakteren unserer Zeit kurzuschließen, so wie es etwa Lars Kraume gerade in seiner Bauhaus-Serie „Die neue Zeit“ oder Tom Tykwer, Achim v. Borries und Hendrik Handloegten in ihrer Serie „Babylon Berlin“ gelungen ist.

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (40. Woche 2019).