Der Junge muss an die frische Luft

Länge:
99 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 10 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
27.12.2018
Regie:
Caroline Link
Darsteller:
Julius Weckauf (Hans-Peter), Luise Heyer (Mutter Margret), Sönke Möhring (Vater Heinz), Hedi Kriegeskotte (Oma Änni), Joachim Król (Opa Willi), Ursula Werner (Oma Bertha), Rudolf Kowalski (Opa Hermann)
Genre:
Tragikomödie , Familienfilm , Literaturverfilmung
Land:
Deutschland, 2018

Anfang der 1970er Jahre lebt der achtjährige Hans-Peter mit seinen Eltern und dem älteren Bruder im Haus seiner Großeltern im ländlichen Ruhrgebiet. Doch bald steht ein Umzug ins Haus der anderen Großeltern an – in die Stadt, auch wenn dies nur Recklinghausen und eine Viertelstunde entfernt ist. Hans-Peter hat etwas Übergewicht, wird deswegen von Klassenkameraden erst gehänselt, hat aber ein Gespür dafür, sein Aussehen bewusst für sich einzusetzen: Um damit Späße zu machen und andere zu unterhalten. Auch hat er Auge und Ohr dafür, Nachbarn, Schlagersänger und andere Berühmtheiten, die er im Fernsehen sieht, zu parodieren und seine Verwandtschaft damit zum Lachen zu bringen. Während sein Vater Heinz als Schreiner viel auf Montage unterwegs ist, kümmert sich Mutter Margret um den heimischen Haushalt, doch sie kämpft zusehends damit. Nach einer Operation der Kiefernhöhlen verliert sie Geruchs- und Geschmackssinn und damit noch mehr an Lebensfreude. Hans-Peter sieht es als seine Aufgabe, die Mutter aufzuheitern, doch diese wird immer depressiver, möchte sich aber nicht ärztlich helfen lassen. Bis sie eines Abends versucht, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen.

Der Reisebericht Ich bin dann mal weg des bekannten Fernseh-Entertainers Hape Kerkeling war als Buch ein Bestseller und ebenso als Film beim Publikum außerordentlich beliebt. Es wundert nicht, dass Kerkelings Kindheitsbiografie „Der Junge muss an die frische Luft“ nun ebenfalls verfilmt wurde. Kerkeling und alles, was er schafft, begeistert Menschen, auch wenn er selbst mittlerweile seine Fernsehkarriere beendet hat. So macht es Vergnügen, in den ersten komischen Gehversuchen des kleinen Hans-Peters frühe Formen der Charaktere zu entdecken, die Kerkeling später berühmt machten, z.B. Horst Schlämmer. Und auch die Zeitreise in das Ruhrgebiet der frühen 1970er Jahre mit einer Reihe rauhbeiniger wie liebenswerter Figuren bereitet Vergnügen. Doch „Der Junge muss an die frische Luft“ hat noch deutlich mehr zu bieten. Dem Film gelingt es auf berührende Weise, von dem Umgang eines kleinen Jungen mit der Depression seiner Mutter und ihrem Selbstmord zu erzählen. Bewundernswert schafft es Regisseurin Caroline Link („Nirgendwo in Afrika“), der Ernsthaftigkeit des Themas gerecht zu werden und dennoch mit großer Leichtigkeit zu unterhalten. Zusammenhalt wird ganz groß geschrieben in Hans-Peters Familie und so ist er umgeben von einer so eigenwilligen wie warmherzigen Verwandtschaft. Insbesondere die ältere Generation wird wunderbar verkörpert durch Schauspieler wie Hedi Kriegeskotte, Ursula Werner und Joachim Król. Besonders sehenswert ist aber Julius Weckauf als Hans-Peter. So unbekümmert wie entschlossen macht dieser Hans-Peter, worauf er Lust hat – und sei es, dass er als Prinzessin zum Karneval geht. Auf Konventionen zu pfeifen, egal was die Leute sagen – dieses Statement transportiert der Film so unaufdringlich wie deutlich und macht ihn besonders sehenswert.

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