Das Glaszimmer

Prädikat wertvoll
Länge:
93 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
28.04.2022
Regie:
Christian Lerch
Darsteller:
Xari Wimbauer (Felix), Luis Vorbach (Karri), Lisa Wagner (Anna), Hans Löw (Bernd), Philipp Hochmair (Karris Vater)
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, 2020

Immer wieder zu Recht die Fragen: Wie konnte „das“ passieren? Wie konnten und können bis heute so viele an Naziparolen glauben? Und immer wieder Filme, die sich an Antworten versuchen. Christian Lerch und Schriftsteller Josef Einwanger siedeln die Geschichte ihres Drehbuchs Ende des Zweiten Weltkrieges an, wollen mit dieser die „innere Mechanik von Verführung“ und die „schrecklichen Auswirkungen willkürlicher Machtausübung“ im Dritten Reich aufzeigen. Eine wesentlich Rolle dabei spielt Felix, ein elfjähriger Junge, der aus einem liberalen Haushalt stammt. Die Basis für den Spielfilm „Das Glaszimmer“ bilden Einwangers Kindheitserinnerungen.


Worum genau geht es in „Das Glaszimmer“?


Frühjahr 1945: Der elfjährige Felix lebt mit seiner Mutter Anna in München. Vater Bernd, ein bekannter Trompeter, ist an der Front. Als in der Stadt die Bombardements nicht mehr abreißen, fliehen Anna und Felix aufs Land. Auf dem Hof einer verstorbenen Tante richten sie sich ein neues Zuhause ein. Dort entdeckt Felix ein geheimnisvolles Zimmer voller funkelnder Glasscherben, wo er sich zurückziehen und den Kriegsalltag vergessen kann. Im Dorf freundet er sich schnell mit Karri, Martha und dem Flüchtlingsjungen Tofan an. Karri ist der Sohn des Ortsgruppenleiters Johann Feik, der hier ein strenges Nazi-Regiment führt. So läuft Karri meist in der Hitlerjugend-Uniform herum, spielt mit Felix und den anderen Kindern „Westfront“ oder „Häuserkampf“ und lässt sie gefährliche Mutproben absolvieren. Immer mehr gerät Felix in Konflikte. Einerseits schreibt er zusammen mit Martha aus Sorge um seinen Vater einen Brief an Adolf Hitler, dass er mit dem Krieg aufhören soll. Andererseits eifert er Karri nach und glaubt zunehmend an den „Endsieg“ (ein Propagandabegriff der Nazis) und all die anderen Parolen. Bis eines Tages Vater Bernd völlig abgemagert und zerlumpt vor der Tür steht.


Lohnt sich der Spielfilm für dich?


„Das Glaszimmer“ setzt sich mit der Manipulation von Kindern und Jugendlichen durch die Nazi-Propaganda im Dritten Reich auseinander. Als Felix mit seiner Mutter aufs Land fliehen muss, kämpft er in seinem neuen Zuhause um die Anerkennung bei den anderen Kindern, speziell um die des so stark erscheinenden Karri. Für ihn ist er bereit, eigene Gefühle und Empfindungen zu unterdrücken, bis Felix schließlich mehr und mehr an die Naziparolen seines Freundes glaubt und diese selbst verkündet. Doch die Ereignisse zu Kriegsende holen ihn immer wieder auf den Boden der Realität zurück und fordern, das unmenschliche Verhalten der Nazis sowie sein eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Christian Lerch erzählt die Geschichte konsequent aus der Sicht des Jungen und zeigt dessen Zerrissenheit auf. Mit seinem Film verfolgt er ein wichtiges Anliegen, das allerdings nicht aus dem historischen Kontext herausgeführt wird. So machen es die durch die Naziphrasen ziemlich sperrig wirkenden Dialoge schwer, mit Felix und den anderen Kindern mitzufühlen. Außerdem wirkt einiges, was sich in diesem Dorf zu Kriegsende ereignet, konstruiert und inszeniert. Das liegt sicher auch daran, weil in der Geschichte zu viele Aspekte angerissen werden. So schafft der Film zwar eine gute Ausgangsbasis, um sich mit dem historischen Geschehen auseinanderzusetzen, ein Nachdenken über heutige Gefahren von Manipulation und Desorientierung dagegen provoziert er weniger.

Barbara Felsmann

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