Cry Macho

Länge:
104 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Regie:
Clint Eastwood
Darsteller:
Clint Eastwood (Mike Milo), Eduardo Minett (Rafo), Fernanda Urrejola (Leta), Natalia Traven (Marta), Dwight Yoakam (Howard Polk) u. a.
Genre:
Literaturverfilmung , Drama
Land:
USA, 2021

Über 90, aber noch voll dabei. Clint Eastwood dreht gefühlt einen Film nach dem anderen. Er steht nicht nur vor der Kamera, sondern auch dahinter und hält mit all seiner Erfahrung die Fäden zusammen. Die zum Teil rückständigen Ansichten des Leinwandurgesteins kann und muss man kritisch sehen. Seine Arbeitsmoral verdient aber allemal Respekt – auch wenn in letzter Zeit einige holprige Werke entstanden sind. In „Cry Macho“, einer Adaption des gleichnamigen Romans von N. Richard Nash, macht Eastwood erneut nicht alles richtig. Und doch fällt der Film in manchen Momenten erstaunlich berührend aus.


Darum geht es in „Cry Macho“:


Im Jahr 1979 verliert der einst erfolgreiche Rodeoreiter Mike Milo seinen Job auf dem Gestüt von Howard Polk. Der Grund: Man kann sich nicht mehr auf ihn verlassen, seitdem er seine Familie bei einem Unfall verloren hat und seine Trauer in Alkohol ertränkt. Überhaupt braucht es frisches Blut. Mike staunt nicht schlecht, als ihn ausgerechnet sein Ex-Boss nur ein Jahr später um einen gewagten Gefallen bittet. Trotz seines hohen Alters soll er nach Mexiko-Stadt fahren und Howards Sohn Rafo entführen, dem das Leben bei seiner Mutter Leta angeblich nicht guttut. Der gebrechliche Pferdefreund tritt tatsächlich die Reise in den Süden an und kann den an illegalen Hahnenkämpfen teilnehmenden Rafo schnell zum Mitkommen bewegen. Dumm nur, dass Leta ihn nicht so einfach gehen lassen will. Dennoch befinden sich der alte Mann und der Junge, der sich heimlich auf die Rückbank von Mikes Wagen schleicht, nur wenig später auf dem Weg Richtung Amerika.


Warum der Film stellenweise überrascht:


Zunächst einmal: Ja, auch dieser Eastwood-Film hat Schwächen. Denn obwohl beide Protagonisten im Grunde auf der Flucht sind (Leta hat ihnen ihre Handlanger hinterherschickt), kommt zu keinem Zeitpunkt echte Spannung auf. Dafür gelingt es Mike und Rafo jedes Mal zu leicht, ihren Verfolgern zu entwischen. Und wie schon in „The Mule“ gibt es auch hier einige peinliche Szenen. Warum, zum Beispiel, versucht Leta allen Ernstes, Milo zu verführen, der locker ihr Großvater sein könnte? Nichts gegen Sex zwischen Menschen mit Altersunterschied. In „Cry Macho“ wirkt das Ganze aber ziemlich billig! Eine Szene, die es wirklich nicht gebraucht hätte. Hinzukommt, dass Wendungen äußerst ungeschickt in den überschaubaren Plot hineingepresst werden.

Das alles klingt nach einer Enttäuschung? Ganz so klar ist es allerdings nicht. Denn in manchen Passagen entwickelt „Cry Macho“ tatsächlich eine ungeahnte emotionale und atmosphärische Kraft. Dann nämlich, wenn die Geschichte nicht vorangetrieben wird und die Figuren Zeit haben, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Die Annäherung zwischen Mike und Rafo ist erwartbar. Gerade der Teil, in dem sie in einem mexikanischen Wüstenkaff stranden, beschwört aber ein wohltuendes Gefühl der Gemeinschaft herauf. Eastwood, der so oft den harten, schweigsamen Kerl verkörpert hat, zeigt sich hier von einer überraschend sensiblen Seite. Und nicht nur das: In den Gesprächen zwischen Milo und seinem jungen Begleiter scheint der Hollywood-Oldie mit einem Augenzwinkern seine Karriere und sein Image zu kommentieren. Rafos einseitigen Vorstellungen von „echter Männlichkeit“ begegnet Mike gewiss nicht zufällig mit folgenden Worten: „Das ganze Machogehabe wird überbewertet!“

Christopher Diekhaus

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch, Englisch; Spanisch; Dt. f. Sehg.; Polnisch; Tschechisch; Ungarisch

Untertitel: Spanisch; Dt. f. Hörg.; Engl. f. Hörg.; Griechisch; Polnisch; Rumänisch; Tschech

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (2. Woche 2022).