Crescendo - #Makemusicnotwar

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
112 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
16.01.2020
Regie:
Dror Zahavi
Darsteller:
Peter Simonischek (Eduard Sporck), Bibiana Beglau (Karla de Fries), Daniel Donskoy (Ron), Sabrina Amali (Layla), Mehdi Meskar (Omar), Eyan Pinkovich (Shira), Götz Otto (Bellmann) u. a.
Genre:
Drama , Musikfilm , Politischer Film
Land:
Deutschland, Italien, 2019

Kann Musik tatsächlich Wunden heilen, Gräben überwinden und den Hass besiegen – zumindest bei einer noch jungen Generation von Palästinensern und Israelis? Der berühmte Frankfurter Dirigent und Musikprofessor Eduard Sporck ist da sehr skeptisch. Dennoch lässt er sich nach einigem Zögern auf das Angebot einer Kulturorganisation ein, zusammen mit Jugendlichen aus Palästina und Israel ein Konzert vorzubereiten, das auf musikalischer Ebene den Friedensprozess im Nahen Osten vorantreiben soll. Als Sohn eines Nazi-Verbrechers fühlt er zudem eine Verpflichtung, sich dieser Herausforderung zu stellen. Die ersten Proben in Israel enden in einem Fiasko, zumal die aufgestaute Wut bei den Jugendlichen, die unter sehr ungleichen Bedingungen aufgewachsen sind, kaum zu bändigen ist, und die Palästinenser sich als Menschen zweiter Klasse behandelt fühlen. Um das Projekt noch zu retten, zieht die gesamte Mannschaft nach Südtirol um. In der abgeschiedenen Bergwelt scheint dank der unablässigen Bemühungen des Dirigenten tatsächlich eine Annäherung in greifbare Nähe zu rücken, die unabdingbare Voraussetzung für ein gemeinsames Musizieren ist. Sogar erste Liebesbande werden gezogen. Doch das junge Orchester ist nicht nur durch innere Konflikte bedroht, auch eine Gruppe von Neonazis stört sich an den fremden Gästen und macht gegen sie mobil.

Inszeniert wurde das mitreißende, musikalisch gut verpackte Drama über die Überwindung von Grenzen durch die Kraft der Musik von dem israelischen Filmemacher Dror Zahavi, der seit 1991 in Berlin lebt. Pate gestanden für den Film mag das 1999 von dem israelischen Dirigenten Daniel Barenboim ins Leben gerufene Orchester des West-östlichen Divans, das paritätisch aus Juden und Arabern besteht. Dass ein ähnliches Projekt 20 Jahre zuvor Erfolg hatte, bedeutet angesichts der politischen Entwicklung im Nahen Osten jedoch keinesfalls, dass dies auch für den jetzigen Film gelten muss. Dieser ist anhand von vielen Einzelschicksalen redlich darum bemüht, alle Seiten und Meinungen zu Wort kommen zu lassen. Trotz eines überraschenden Endes wird deutlich, dass Musik vielleicht doch nicht alle Grenzen überwindet, aber zusammen mit dem Bestreben, dem anderen zuzuhören, doch etwas in Gang setzen und verändern kann und allemal besser ist, als jede Form von Kriegsführung.

Holger Twele

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