Control Z

Serienstart:
22.05.2020
Staffel:
1
Folgen:
8
Länge der Folgen:
36-41 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Regie:
Bernardo De La Rosa, Alejandro Lozano
Darsteller:
Ana Valeria Becerril (Sofía), Michael Ronda (Javier), Yankel Stevan (Raúl), Zión Moreno (Isabela), Patricio Gallardo (Gerry) u. a.
Genre:
Drama , Jugend , Krimi
Land:
Mexiko, 2020

Der manchmal erweckte Eindruck, Netflix sei Innovationsweltmeister im Erzählen von Geschichten, ist sicherlich übertrieben. Bei Licht betrachtet bringt auch der US-amerikanische Streaming-Riese zahlreiche konventionell gestrickte, allenfalls mittelprächtige Eigenproduktionen an den Start. Begrüßenswert ist aber der internationale Ansatz. Filme und Serien aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen finden auf der Plattform ihren Weg zu einem weltweiten Publikum und können im besten Fall helfen, den eigenen Horizont zu erweitern.

Ein Beispiel für die Vielfalt des Portfolios ist die kürzlich gestartete, acht Folgen umfassende mexikanische Serie „Control Z“, die, wie nicht wenige Netflix-Arbeiten, in einem Teenagerumfeld spielt. Schauplatz ist hier eine Schule namens Colegio Nacional, an der Sofía die Rolle des Freaks innehat. Nach dem Tod ihres Vaters und einem Psychiatrieaufenthalt wird sie von vielen als irre abgestempelt. Sie selbst geht damit allerdings erstaunlich souverän um, nutzt ihre analytische, entfernt an „Sherlock“ erinnernde Beobachtungsgabe, um andere in die Schranken zu weisen, und bietet unerschrocken dem Schultyrannen Gerry die Stirn, der mit seiner Clique den verschüchterten Luis drangsaliert. Sofía steht ein wenig über den Dingen – manchmal sogar buchstäblich. Regelmäßig beobachtet sie das Treiben auf dem Pausenhof vom gläsernen Schuldach aus. An eben diesem Ort weiht sie Neuankömmling Javier in die Beziehungsstrukturen und Machtverhältnisse am Colegio Nacional ein.

Große Aufregung bricht aus, als während einer Präsentation in der Aula ein Hacker-Video auf der Leinwand erscheint und preisgibt, dass die von vielen bewunderte Isabela früher ein Junge war. Die beliebte Schülerin sieht sich auf einmal gehässigen Anfeindungen ausgesetzt. Und noch dazu wendet sich ihr Freund plötzlich von ihr ab. Da nur wenig später weitere Enthüllungen über andere Teenager den Schulalltag erschüttern, macht sich Sofía mit Javiers Hilfe auf die Suche nach der unbekannten Person, die hinter den bloßstellenden Videos und dem wachsenden Chaos steckt.

Schon die erste Folge zeigt, dass „Control Z“ in einige bekannte Klischeefallen tappt. Das Setting sieht ein bisschen zu glatt aus, um vollauf authentisch zu wirken. Mehr als einmal werden wichtige Informationen über die Protagonisten auf eher uninspirierte Weise im Dialog vermittelt. Und gerade Sofías Hintergrundgeschichte deuten die Macher in Flash-Einschüben recht reißerisch an. Dick trägt die Serie auch dann auf, wenn sie die Smartphone- und Online-Abhängigkeit der Jugendlichen bebildert und Luis als arg stereotypes Mobbingopfer inszeniert.

„Control Z“ vermischt insgesamt zu viele sensible Themen, um allen gleichermaßen gerecht zu werden. Mitunter setzen die Serienschöpfer Miguel García Moreno, Adriana Pelusi und Carlos Quintanilla aber durchaus starke Akzente. Etwa, indem sie formelhafte Charakterisierungen aufbrechen und echtes Interesse für den inneren Druck mancher Figuren aufbringen. Bestes Beispiel ist Isabela, die als Erste unter den mysteriösen Veröffentlichungen zu leiden hat. Was es heißt, mit seiner geschlechtlichen Identität zu ringen, sich einer Umwandlung zu unterziehen und von der Umwelt später böse Häme zu erfahren, ist an mehreren Stellen schmerzhaft spürbar. Besonderes Gewicht bekommt dieser Umstand, wenn man weiß, dass es sich bei Isabela-Darstellerin Zión Moreno auch im wahren Leben um eine Transgenderfrau handelt. Kritisches Augenmerk legt die Serie darüber hinaus auf die in der Gesellschaft und auf Schulhöfen leider noch immer weit verbreitete Homophobie.

Obwohl es „Control Z“ mitunter an erzählerischem Feingefühl mangelt, baut die Suche nach dem Mastermind hinter den Hacks eine ordentliche Grundspannung auf und lässt die Anteilnahme des Zuschauers nicht in den Keller rauschen. Dieses Urteil gilt zumindest für die ersten vier Episoden, auf die sich die vorliegende Kritik bezieht.

Christopher Diekhaus

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (21. Woche 2020).