Chaddr - Unter uns der Fluss

Länge:
88 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
19.08.2021
Regie:
Minsu Park
Darsteller:
/
Genre:
Dokumentation
Land:
Deutschland, 2020

Was dich in „Chaddr - Unter uns der Fluss“ erwartet:


Schulwege in aller Welt stehen immer wieder mal im Blickfeld von Dokumentarfilmer*innen. Einer der berühmtesten Fußwege weltweit ist wohl der Chaddr im indischen Teil des Himalayas. Er führt im Winter, wenn die einzige Landstraße gesperrt ist, durch das Tal des zugefrorenen Flusses Zanskar. Durch die Erderwärmung ist der Chaddr zu einem der gefährlichsten Wege geworden, denn das Eis ist oft brüchig und trägt nicht mehr an allen Stellen. Über 100 Kilometer müssen Kinder und Jugendliche aus dem Dorf Zangla und Umgebung über das Eis wandern, vorsichtig über Geröll balancieren oder sich sogar an Felswänden entlanghangeln, um in die Provinzhauptstadt Leh zu gelangen. Dort nämlich befindet sich die einzige weiterführende Schule mit Internat. Die 18-jährige Tsangyang wandert diesen Weg gemeinsam mit ihrem Vater seit ihrem sechsten Lebensjahr. Immer wenn die Winterferien beginnen und wenn danach die Schule wieder losgeht. Tsangyang ist die Jüngste von drei Kindern, die beiden älteren studieren bereits in der Ferne. Sie möchte gern Software-Ingenieurin werden. Um einen guten Abschluss zu erhalten, lernt Tsangyang mit großer Disziplin. Doch ihre Eltern wissen nicht, ob sie auch der Jüngsten ein Studium finanzieren können. Denn sie sind einfache Bauern. Der Vater arbeitet zudem als schlecht bezahlter Dorfschullehrer in Zangla, die Mutter verdient mit dem Weben von Teppichen Geld dazu. Die Fakten allein reichen allerdings nicht aus, um wiederzugeben, was dieser eindrückliche Dokumentarfilm alles erzählt. Vieles wird über beeindruckende Bilder vermittelt.


Wieso sich ein Blick in „Chaddr - Unter uns der Fluss“ lohnt:


Der südkoreanische Regisseurs Minsu Park hat an der HFF München studiert und mit der Dokumentation „Sewol – Die gelbe Zeit“ abgeschlossen. Der mehrfach ausgezeichnete Film handelt vom Untergang des südkoreanischen Fährschiffes Sewol im Jahre 2014, bei dem im Gelben Meer 300 Menschen, darunter 250 Schüler, ums Leben kamen. Dabei interessierte Minsu Park hauptsächlich das Schicksal der Jugendlichen. Auch in seinem neuen Dokumentarfilm steht die Schülerin Tsangyang im Mittelpunkt: ihre Ernsthaftigkeit, ihr Streben nach einer guten Ausbildung und ihr Konflikt, dass sie bald ihr Dorf und damit ihre Eltern für immer verlassen muss. Denn das einfache, karge Leben der Bauern in Zangla bietet jungen Menschen keine Perspektive. Ohne in irgendeiner Form Position zu beziehen zeigt Minsu Park, wie der Klimawandel diese so idyllisch und intakt wirkende Landschaft durch Trockenheit im Sommer und zu wenig Schnee und Kälte im Winter verändert und dadurch den Bauern allmählich die Existenzgrundlage nimmt. Um sich eine berufliche Zukunft aufzubauen, bringen Tsangyang und ihre Eltern einige Opfer. Bildlich wird dies deutlich in der dreitägigen, strapaziösen Wanderung auf dem Chaddr, die der Filmemacher mit der Kamera begleitet. Aber auch für die Widersprüchlichkeiten unserer Zeit werden hier bewegende Bilder gefunden, etwa wenn dieser wunderschönen Berglandschaft vor Trockenheit rissige, unfruchtbare Böden gegenübergestellt werden oder wenn die um ihre Zukunft wandernde Tsangyang einer Gruppe Extremtouristen begegnet, die hier ihren Spaß und ihr Abenteuer sucht und Berge von Müll hinterlässt.

Barbara Felsmann

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