Film: Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

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Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

In seiner zweiten Langfilmarbeit schickt der als Schauspieler bekannt gewordene Regisseur und Drehbuchautor Matt Ross eine Aussteigerfamilie auf einen turbulenten Road-Trip quer durch die USA, der erfrischend komische und höchst berührende Momente verbindet.

„Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ beginnt mit einer Kamerafahrt über eine schier endlose Waldlandschaft, die dem hochgebildeten Ben und seinen sechs Kindern als Zuhause dient. Vor vielen Jahren hat sich der linke Idealist mit seiner Ehefrau Leslie und ihrem gemeinsamen Nachwuchs aus der Gesellschaft verabschiedet, um in der Einsamkeit des Pazifischen Nordwestens ein autarkes Leben zu führen. Bestimmt wird der Alltag fernab der Zivilisation von kraftzehrenden Sportübungen, gemeinsamen Jagdausflügen, geistigen Studien und musikalischer Zerstreuung am Lagerfeuer. Liebevoll und streng zugleich wacht Ben über die Entwicklung seiner Schützlinge, während ihre depressive Mutter seit einiger Zeit in einer Klinik weilt. Als die Familie plötzlich mit der Nachricht ihres Todes konfrontiert wird, drängen die Kinder darauf, die Beerdigung zu besuchen. Ben schlägt diese Bitte jedoch vorerst aus, da ihm sein Schwiegervater Jack verboten hat, an der Beisetzung teilzunehmen. Am Ende lässt sich der überzeugte Aussteiger allerdings erweichen und wirft kurzerhand den Motor des ausgebauten Familienbusses an.

Wie man angesichts der Prämisse vermuten darf, bezieht der Film einen Großteil seiner Komik aus der Kollision der unterschiedlichen Welten. Immer wieder bringt Matt Ross seine liebenswert-schrägen Protagonisten in Situationen, die sie entweder erstaunen und amüsieren oder aber überfordern. Das anspruchsvolle Wissen, das Ben seinen Kindern vermittelt hat, sorgt regelmäßig für schöne Pointen. Und auch ihr ungewöhnliches Verhalten im sozialen Miteinander garantiert so manchen Lacher. Hin und wieder überspannt der Regisseur in der Gegenüberstellung von Aussteiger-Mentalität und Konsumgesellschaft vielleicht den Bogen. Seine Figuren verrät er jedoch zu keiner Zeit. Was freilich nicht bedeutet, dass „Captain Fantastic“ ein idyllisch-unreflektiertes Hippie-Bild entwirft. Bens Einstellung zum Leben und seine Prinzipientreue nötigen sicherlich Respekt ab, werfen allerdings auch unbequeme Fragen auf: Ist es nicht etwas egoistisch, seinen Kindern die eigenen Ideale aufzuzwängen? Ähnelt sein straff geregeltes Outdoor-Programm nicht ein wenig den Drill-Strukturen in einem Boot-Camp? Und warum hält er am Einsiedlerdasein fest, obwohl seine Ehefrau offenbar daran zerbrochen ist? Spannende Denkanstöße, die den Film bereichern, auch wenn das Drehbuch sie manchmal ein wenig plakativ zur Geltung bringt.

Dass die Tragikomödie ihre dramaturgisch etwas holprige zweite Hälfte größtenteils unbeschadet übersteht, liegt an der originell-sympathischen Charakterzeichnung und den zum Teil glänzend aufgelegten Darstellern. Aus der Kinderschar sticht besonders Charlie Shotwell hervor, der den kleinen Nai mit herrlich spitzbübischem Charme verkörpert. Frank Langellas würdevolle Ausstrahlung trägt entscheidend dazu bei, dass die Figur des Schwiegervaters nicht zu einem eindimensionalen Kotzbrocken verkommt. Und Viggo Mortensen, dem die Rolle des kernigen, aber intellektuellen Aussteigers auf den Leib geschrieben scheint, brilliert mit einer facettenreichen Performance. Eine Empfehlung für „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ lässt sich auch deshalb aussprechen, weil Matt Ross uns stellenweise wunderbar pointiert vor Augen führt, dass wir soziale Normen und Konventionen ständig hinterfragen sollten, da sie mitunter erdrückend wirken können.

Blu-ray-Bildformat:1:2,40/1080p
Ton:dts HD 5.1 MA
Sprachen: Deutsch dts HD 5.1 MA/Englisch dts HD 5.1 MA
Untertitel: Deutsch

Kommentare zum Film


23.06.2017 - Charlesdat

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