Capernaum - Stadt der Hoffnung

Länge:
126 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
17.01.2019
Regie:
Nadine Labaki
Darsteller:
Zain Al Rafeea (Zain), Yordanos Shiferaw (Rahil), Boluwatife Treasure Bankole (Yonas), Kawthar Al Haddad (Souad) u.a.
Genre:
Drama , Kinder
Land:
Libanon, USA, 2018

Zain, ein ca. elfjähriger Junge aus dem Libanon, steht vor Gericht. Allerdings ist er in diesem Fall nicht der Angeklagte, sondern der Kläger. De Junge hat seine Eltern verklagt, ihn auf die Welt gebracht zu haben, obwohl sie doch wissen mussten, dass sie sich nicht angemessen um ihn kümmern und auch nicht für ihn sorgen könnten. Der eindrucksvolle Film rollt die Lebensgeschichte des Jungen und seiner Familie auf. Als Flüchtlinge sind die Eltern nach Beirut gekommen und führen dort ein ärmliches Leben in völliger Abhängigkeit vom Kleinhändler und Drahtzieher Assad, der ihnen zwar eine Behausung stellt, dafür aber ständige Gegenleistungen erwartet. Die kleinen Handlanger- und Kurierdienste müssen die Kinder verrichten. Das lässt Zain sich noch gefallen. Als Assad aber seine kleine Schwester als Frau verlangt und die Eltern darauf eingehen, bricht für den verantwortungs- und liebevollen Bruder Zain die Welt zusammen. Er haut ab. Ein glücklicher Zufall lässt ihn die junge Äthiopierin Rahil treffen, die mit ihrem Baby nach Europa flüchten will. Um sich das Geld für die notwendigen Papiere erarbeiten zu können, schmuggelt sie ihr Baby mit zur Arbeitsstelle und ist nun froh, dass Zain auf den kleinen Yonas aufpassen kann. Dafür kann er in ihrer Hütte übernachten und bekommt Essen. Die große Liebe und Fürsorge, die Rahil für ihr Kind empfindet, macht Zain umso drastischer klar, wie verantwortungslos und selbstsüchtig seine eigenen Eltern sind. Vor Gericht wird er verlangen, dass sie keine weiteren Kinder in die Welt setzen.

Der Spielfilm der Regisseurin Nadine Labaki geht unter die Haut. So nah und so klar zeigt sie die Verhältnisse im Beiruter Armenviertel, dass man sich nicht entziehen kann. Die junge Hauptperson Zain, ein viel zu früh erwachsen gewordenes Kind, das sich mit großem Ernst und viel Raffinesse durch den freudlosen Alltag schlägt, zeigt selten ein Lächeln. Doch er ist trotz der Verhältnisse selbstlos und liebevoll den kleineren Kindern gegenüber. Ein immer wiederkehrendes Problem für Zain ist, dass er nirgends registriert ist. Seine Familie konnte sich das nicht leisten. So hat er keine Papiere, keinen Nachweis seiner Existenz. Was für unsere Verhältnisse nicht vorstellbar ist, bedeutet für den Jungen schlicht, dass er keinen Anspruch auf irgendwas hat: keine Schule, keine Bildung, keine Unterstützung welcher Art auch immer. Zains Energie, sein Lebensmut und seine Hilfe für andere beeindrucken deshalb umso mehr. Die Regisseurin hat ihren Film mit viel Empathie für die Figuren und großer Liebe zum Detail inszeniert. Beim Filmfestival in Cannes gewann der Film den Großen Preis der Jury wie auch den der ökumenischen Jury. Seither ist er auf vielen weiteren Festivals ausgezeichnet worden und auch für den diesjährigen Auslands-Oscar nominiert.

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